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MILVA & TECHNIK: Segelboot auf einem Trailer sichern

Weil das bei der ersten Fahrt mit der MILVA auf dem Anhänger (frisch aus der Werft) fast schiefgelaufen wäre, hier ein weiteres Tutorial aus der Reihe Frau…verzeihung..MILVA und Technik: Wie sichert man ein kleines Segelboot mit Festkiel auf einem für 100km/h zugelassenen Bootsanhänger, sodass man auch bei gegebenen Straßenverhältnissen die zugelassene Höchstgeschwindigkeit fahren kann und nicht mit 60 km/h auf der Bundesstraße herumgurkt und jeden zögernden Fahrer an Einfahrten verflucht – nur um nicht abrupt bremsen zu müssen, was die 800kg Schiff schräg über einem ins Wanken bringen könnte. Das Wanken kann natürlich auch bei richtig gesichertem Schiffchen passieren, und das Schneckeln mit einer kilometerlangen Autoschlange hinter sich trainiert ungemein das Selbstbewusstsein, aber man könnte, wenn man so will, Risiken vermeiden und das mit dem Selbstbewusstsein zum Beispiel beim Verrichten der Notdurft mitten in der Schleuse in einen – mangels Platz für ein Bordklo – Eimer üben. Nur so als Anregung für Adrenalinjunkies.fixOnTrailer-24

Punkt 1: Wenn das Boot schon in der Werft mit Spanngurten auf dem Anhänger gesichert ist, keinesfalls einfach losfahren und dabei denken, das mit den lockeren Gurten gehört so, das Boot muss bisschen Freiraum zur Selbstverwirklichung haben während der Hängerfahrt. NEIN! Das gehört so bei der Lagerung des Schiffs auf einem Anhänger, damit sich nichts verzieht. Für die Fahrt müssen die Spanngurte festgezurrt werden. Nach dem Prinzip des Aufbaus einer Slackline.

Was passiert, wenn man das nicht tut: nach der ersten Unebenheit verschiebt sich während der Fahrt das Boot auf dem Trailer, und man wundert sich beim Blick in den Rückspiegel, warum der Spanngurt, der vorher doch noch fest war, plötzlich so flattert.

Punkt 2: Wenn alles nur so auf OLYMPUS DIGITAL CAMERAdem Schiff herumliegt, Mast mehrfach auf Tragekreuz und Auflage mit Verbindung zu Ösen und Klampen am Schiff befestigen.

Punkt 3: Was auf längeren Fahrten am Schiff herumflattern und Schaden nehmen könnte (Windex, Windmesser,  ans Heck klappernde Badeleiter) abmontieren.

fixingOnTrailer-6813Punkt 4: Fallen und Rollreffanlage gut um den Mast binden und/oder mit Frischhaltefolie(und dann Tape) sichern.

Punkt 5: Spanngurte anbringen, dabei Teppichreste oder Lappen an den Bootskanten als Schutz unterlegen. Spanngurtverschluss wenn möglich (Bug Spanngurt) auf der rechten Seite (in Land mit Rechtsfahrgebot) positionieren, um bei eventuellen Nachspannmanövern auf der Autobahn nicht auch noch in der Schußweite von Rasern zu hantieren.

Punkt 6: Spanngurte so fest wie möglich zurren und überhängenden Gurt mit Knoten/Folie/Tape sichern (siehe Punkt 1)

Punkt 7: steht der Mast mehr als einen Meter nach achtern über, rotes Fähnchen anbringen

Punkt 8: Für Brückendurchfahrten die Höhe des Boots samt Mast auf dem Trailer bestimmen. Die VA18 maß 3.40m und passte damit gerade so unter den Brücken um Kortgene in Zeeland (4m Durchfahrtshöhe)

Na dann allseits gute Fahrt, keinen Seitenwind und immer genügend Luft überm Anhänger!

le skipper, c’est moi

N 51° 44.313′  E 003° 50.869′  |  Scharendijke, Brouwersdam, Grevelingen Meer @ 5 Beaufort Wind, Nord-Ost, 1m Wellenhöhe

Geschichte war noch nie meine Stärke. Aber meine Aussagen glaubwürdig. Deshalb wurde ich im Französischkurs bis zu einer kurzen Lola rennt Rothaarrebellenphase auch Napoleon genannt. Klein. Aufmüpfig. Führungsstark. Mir rutschte da mal ein ‘L’État, c’est moi’  raus, als Antwort auf irgendwas, das ich garantiert nicht verstanden habe im Konversationskurs – aber alle lachten. Das Niveau des Kurses ist für meine Sprachbegabung eine Idee zu hoch. Ich rutschte da so rein, weil Lehrerin wie Mit-Francophile so unwiderstehlich waren, ich dank Stereo Total etwas französeln kann und das Thema des Schnupperabends ein von Anglizismen nur so Strotzendes war.

Da nimmt man das englische Wort und betont es französiiiisch, oder  assoziiert ‘L’État, c’est moi’ mit Napoleon und alle nicken. Bis einer Wochen später ins Zweifeln gerät, Wikipedia befragt und aus dem kleinen Napoleon Louisa Quatorze wird. Jetzt hat die an einem Siebzehnten Geborene Vierzehnte auch noch das Führen von Kleinfahrzeugen unter Segel in meerartigen Gewässern begonnen.

Einmal mit drei des Segelns unkundigen mittelalten Flamen auf einem fränkischen Wohnschiff, mehrmals mit des Segelns seit der Kindheit vertrauter, meist temperamentvoller argentinischer All-Female Crew auf einem sogenannten Weekender, der mit seinen 18 Fuß mal leicht bei Flaute an Dickschiffen vorbeizieht, oder aber bedrohlich bei Seegang schaukelt. Die Flamencrew hat gemacht, was La Capitana befohlen hat. Es war nur ein Tag, maximal drei Windstärken, der Dampfer 10 Meter lang und tonnenschwer, die Crew hatte Bier, nicht gefroren und keine Angst. VA18, Oosterschelde, 4BfAuf einem nah am Wasser gebauten 5,80m Schaukelschiff bei einem Meter Welle und fünf Windstärken, der Ungewissheit, ab wann bei wie hoher Welle eine Varianta 18 in ungünstiger Lage parallel zur Wellenrichtung umkippt, einer Argentinierin in beidseitiger Nicht-Muttersprache Sicherheit zu geben und Kommandozentrale spielen – der Skipper hat das letzte Wort, für Diskussionen keine Zeit und bei Patenthalsen keine Geduld mehr – ist eine andere Geschichte. Vielleicht gibt mir das Buch Psychologie an Bord hilfreiche Aufschlüsse zum Bändigen temperamentvoller Crew und Unterdrücken der eigenen Hilflosigkeit 😉

MILVA KOCHSTUDIO

Chili Con Carne, Tacos, GuacamoleNoch bevor sich Heerscharen bei Aldi um den Thermomix Verschnitt kloppen konnten, wohl aus einer dem Hamburger Abendblatt geschuldeten Sinnkrise heraus, die “Ein Leben ohne Thermomix ist möglich, aber sinnlos” titulierte, übte sich unsereins glücklich und zufrieden in freiluftköchelnder Nahrungszubereitung mit Utensilien, die in vier Weinkisten Platz redcurryfinden mussten und einem glutenfreien, rindfleischveganen Ernährungsstil gerecht wurden. Man könnte es auch bezeichnen “Der Schlemmertörn”, und ich Varianta 18 Bordküche, Curryzubereitungverstehe nicht, was daran sinnlos sein sollte,wenn man nicht die Zeit meint, die bei derartigem Kochen, im Wasser schwankend auf kleinstem Raum draufgeht, während das Riesenungetüm, in der aktuellen ZEIT auch genannt “Das iPhone aus Wuppertal” gewisse Püriergerichte in einem Bruchteil der Zeit erledigt.

Wahrscheinlich ist das Kochen-2.0-Gerät zu wesentlich mehr imstande als nur die simultan Ribeye on Cobbs Barbecuewärmende Zubereitung von Püriertem.Erwarten würde ich von einem Wundergerät in derartiger Preiskategorie – das auch meine Vorwerk-affine Mutter in der Küche stehen hätte, wäre ihr Körper nicht schon längst von Unterirdischen Friedhofsarbeitern in der Sorgfalt eines Thermomixvorgangs zersetzt – auch das Entsaften von Spinat und Karotten und die Zubereitung einer Fleischbrühe, wo ich doch gerne Klare Brühe mit Brocken drin esse.

Pasta met ZeekraalDoch selbst wenn: wie soll so ein Riesenklopper (der für die sechsköpfige Familie meines Metzgers dann auch noch zu klein ist!) dem Leben einer Hobbyköchin Sinn verleihen, die nach drei Monaten in improvisierter Kombüse in die 20 Quadratmeter Wohnküche zurückgekehrt die Eier in einen Topf Wasser legt, um dann festzustellen, dass man ja einen automatischen Eierkocher hat. Unnötigerweise.

Bohnenpüree Avocado WrapDas sinnlose Bordleben im Milva Kochstudio wurde unterstützt durchTapasbar Varianta 18

  • zwei Campingkocher mit vier Töpfen und einer Pfanne
  • einem Stabmixer (Landstrom)gluten free pancakes
  • drei Schneide- und gleichzeitig als Teller verwendbare Holzbrettchen
  • ein Nudelsieb, überflüssig aufgrund des Trangia Nudelsiebdeckelsystems und dem verblüffenden FÖRBLUFFAD Kochtopf des pseudoschwedischen Möbelaldis
  • zwei Suppenschüsseln, Becher und Salatschüssel aus kompostierbarem Bambusmaterial, Besteck und Pfannenwender

Gegen niederländisches Appelgebak, Bitterballen und Kibbelinge hat die thermomixlose Kombüse durchaus leckere Resultate hervorgebracht, sowie einschlägige Erfahrungen wie zum Beispiel die Erkenntnis, dass man Küchenkräuter auch bei Lagerung auf einem Boot der Haltbarkeit und osmotischen Vorgänge wegen besser nicht mit Salzwasser wässern sollte;-)

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The time it takes to put on nail polish

One month. And it is not really that I am so stressed with work that i cannot even finish some cosmetics on my toes to let them look like as shiny rebel blue as my company car. nailpolish-8502

I do nothing. Nothing but sleeping, checking the weather, paying harbour fees, getting a hungry stomach filled, and starting to put on nail polish. Just to make use of the things I brought with my luggage for a 12 weeks vacation using a so-called work time account.

The word itself seems to be misleading, as I bought time from a yearly bonus added to my salary to just do not what the word is expressing: work.

milva18-8802Instead, I am literally hanging around on my 18 feet measuring sail yacht, as the size of this apparently fast racing ‘mini cruiser’ does not even allow a 1.60m person to stand inside (with the sprayhood attached, it almost does), but is giving indeed more comfort than a similar sized tent for two. Especially in the occasion of rain falling. In addition to that, staying in a harbour on a boat of that size in the Netherlands is much cheaper than staying on a camp site. The most expensive marina charged 15€ per night with free parking of my car outside, while the camping close to the harbour charged 41€ for a tent, two persons and a car.

Besides the partially used nail polish, i brought with me an Ukulele, a Guitarlele, the GarageBand app on my IPad for amateur music recordings, DVDs, a race bike, my Carver longboard, 7 novels to read plus the obligatory two bibles of Belgian-Dutch waterways -the Wateralmanak, two books about sailing and one to get a better understanding about the weather. According to my efficiency in putting on nail polish, now guess the equipment I could have left at home.

Ich werde Hafenmeisterin!

Unsere heutige MILVA Tour brachte die zwei alten Zungen nach drei-Nächte-bezahlen-vier-bleiben im Süßwasserhafen zu Oude Tonge per Freddy le Vibrateur durch zwei Schleusen ins 6 Seemeilen entfernte Bruinisse ins Grevelingen Meer. Nach fast eineinhalbstündigem Warten an der laut Wateralmanak #2 fernbedienten Schleuse mit einem alten Motorboot und einem Plattbodenbodenschiff mit Riesenhund an Bord liefen wir mit Bug voraus in den Meldesteg im kleinen Vereinshafen der Watersportvereningen Bruinisse ein. Die bei diesem Manöver hilflos am Vant stehende Kapitänin wollte eigentlich einen Aufschießer in den Wind, aber wenn sie das der Steuerfrau nicht vorher erklärt, kann das ja nichts werden. Der neue Bugfender kam so gleich mal zum Einsatz 🙂

Im Gegensatz zum WSV Noord Beveland Hafen zu Colijnsplaat, wo man am ‘Meldesteiger’ per Sprechanlage dem Hafenmeister den Liegeplatzwunsch mitteilen kann, ist das in Bruinisse am Nachmittag so gedacht, dass man zum Havenkantoor latscht, dort die Mitteilung liest, dass das Büro dann um vier wieder besetzt ist und man sich einfach einen freien Platz aussuchen kann. Neben einem vor Bewuchs bald mit dem Meeresgrund verbundenen, sofagelben Segelboot ward Platz #99 für die kleine MILVA frei. Während eine große Yacht ihr Anlegemanöver in den einzig freien größeren Liegeplatz im kleinen und mit 1.70€/Meter Länge um 50 Cent billigeren Hafen als die nebenanliegende Marina aufgab, legten wir MILVA in den kleinen Platz mit Aussicht ins Hafenbüro.

Während meine Crew zum Klo rannte, kam eine an die langhaarigen blonden Mädels vom Volvo Ocean Race Team erinnernde Frau an den Steg und fragt was freundlich klingendes auf niederländisch. Ah, you are the harbour master?! kommts mir und damit auch die Antwort, was ich denn tun könnte, wenn mir das Softwareberaterdasein und Lagerprozessieren zu langweilig wird: ich werde Hafenmeisterin! Wohlgemerkt keine wie das Mädchen, das sie in Sint Annaland in den Tower gesetzt haben, die zwar Liegeplätze im Natoalphabet aufsagen kann (Foxtrott Six), aber sonst nur auf Bootslänge die Liegeplatzgebühr einkassiert und unmotiviert lächelt, sondern so eine wie die hier in Bruinisse. Die über die Stege läuft, kuckt, ob noch alles gut vertäut ist, Wettervorhersagen für Gäste raussucht, Tipps für die Umgebung hat und nebenbei noch ein gut laufendes kleines Café betreibt. Jawohl!

Wie wird man denn Hafenmeisterin? frage ich sie gleich und erwarte so etwas wie “ja also ich bin schon mit acht mit meiner Mama in einer Jolle über den Ärmelkanal und mit 14 allein um die Welt und bin die segelnde Holländerin vom für Hygieneartikel werbendem Volvo Ocean Race Team” Sie lächelt und antwortet: Indem man sich bewirbt. Der Verein hat jemanden gesucht und ich habs letzte Saison mal probiert und es hat mit gefallen. Also bin ich diese Saison wieder hier. Zum Segeln komme ich nicht, da ich parallel noch einen anderen Job habe.  

Trotzdem: Bruinisse hat uns gefallen. Gleich nach der Schleuse backbord in den Meldesteg reinrauschen, trotz notwendiger 50 Cent Münzen wenigstens lange genug heißes Wasser, nicht so ein lauwarmes Getröpfel für 5 Minuten wie in Sint Annaland, wo man sich fragt, wie jemand Langhaariges damit das Shampoo aus den Haaren waschen will ! 😉

Wasserrette

11326989_475697899266574_278779832_nWATER YOU THINKING ? BRING IN THE DUTCH! steht auf einem großen Betonklotz am Deltaworks Damm, der Oosterschelde von der Nordsee trennt. Offenbar habe ich auch Wasser im Kopf. Das mit dem mal auf die Schnelle Niederländisch lernen klappt so nicht. Ich bin seit Wochen in Hoofdstuk 1, Oevening 3b des Lehrbuchs. Nee, dit is geen glas met Gin, dit is en potje koffie! Und Flamen wie Niederländer sagen mir, das sei aber auch eine sehr schwere Sprache. In der Marina habe ich heute wieder ein Mißverständnis enthüllt, nachdem ich den jungen deutschen Segler, der statt zu grüßen nur komisch glotzt, mit einem Eimer voller gespültem Geschirr aus dem Raum mit dem Schild ‘WASSERRETTE’ kommen sah. Bis dahin hielt ich den Raum zweifelsfrei für den Sitz der niederländischen Seenothelfer – Wasser Rette, logisch! Dort stehen aber ein paar Bücher zum Zeitvertreib auf der Fensterbank, zwei Waschmaschinen, zwei Trockner und ein großes Waschbecken,  an welches der afrikanische Putzmann jeden Morgen den Wasserschlauch anschließt. Ich bin auch so eine Wasserrette!