Petersilienzoll

MILVA MANNHEIM, TEXT

N 51° 33.242′   E 003° 48.530′ | Delta Marina .  Kortgene

Jeden Tag eine gute Tat. Heute: den beiden niederländischen Zollbeamten Einlass in die Hafentoilette gewährt. Ich musste eh, und die Herren von der Douane waren schon am umkehren ( vielleicht um woanders hinzumachen?). ‘Hjerteligt bedankt’ freuten sich die Jungs über das Einlassen zum Wasserlassen. 

Im Nachhinein frage ich mich, was niederländische Zollbeamte in einer niederländischen Marina zu verzollen suchen. Illegaler Petersilieanbau auf schwimmenden Kleinfahrzeugen etwa? Bin ich mal froh, dass mein Kräutergartenversuch unter der Sprayhood  durch intelligente Salzwasserbewässerung (mir Schwoba schbarat halt Wasser) selbst nach einem Süßwasserrettungsversuch gnadenlos gescheitert ist. Und dass wir das eine Tütchen aus Amsterdam mit unseren Zeltnachbarn auf dem Campingplatz für ältere Herrschaften beim Dranouter Musikfestival als Dank für den Wein beigesteuert haben. 

MILVA & TECHNIK: Freddy, le vibrateur

MILVA MANNHEIM, techie, TEXT

N 51° 32.639′   E 003° 51.837′ | Veerse Meer – Zandkreeksluis

Wollte MILVA etwa mit den Herren von der Schleuse flirten oder braucht auch ein Außenbordmotor etwas Zuneigung?
Und Vertrauen?Es wäre nicht das erste Mal, dass mich ein Mercury Außenbordmotor nicht so ganz mit seiner Zuverlässigkeit überzeugt, denke an das VIBRATEUR MALHEUR oder die Ausfahrt mit Madame C, nach welcher sie nie wieder wagte ein Boot zu besteigen. Jedenfalls keines, das ich steuerte oder gar segelte!

Wir haben die MILVA heute mal durch die Schleuse gejagt und die Oosterschelde schnuppern lassen. Sowas kann man ja mal fürn Ernstfall üben bei wenig Wind und Verkehr. Ein nettes niederländisches Seglerpärchen, das wir im Bistro La Barca getroffen hatten, gab uns den Tipp, eine Leine von der vorderen Klampe durch den Ring an der Schleusenwand nach hinten auf die hintere Klampe durchzuziehen. Eine Methode geeignet für Einhandsegler und MILVA, die eh zu kurz wäre für ein Festmachen in der Schleuse mit Vor- und Achterleine.

Die zwei Seemeilen zur Schleuse liefen wunderbar. Wir überstanden den Prozess des Schleusens an sich mit der Erkenntnis, dass es doch einige Meter aufwärts ging und man die Leine besser auf Slip hält und das Boot gut abfendert. Die Brücke ging auf. Wir werfen die Leine los, stoßen uns von der Schleusenwand ab, und der Motor geht aus. Die Frau mit den Fendern hat tolle Tipps parat, die Frau am Motor versucht vergeblich den Motor nach gelungenem Start mit Und ohne Choke am Laufen zu halten. Milva driftet wieder Richtung Schleusenwand, die Jungs von der Schleuse werden unruhig und fragen was los ist. In anderen Worten: man schreit sich panisch an, was nicht zur Lösung des Problems beiträgt. Wir bekommen Tipps vom Schleusenwärter, die Brücke bleibt offen, und schließlich hilft uns ein französisch sprechender Motorbootfahrer beim Starten des Außenbordmotors, indem er beim gelungenen Start ohne Choke Kurz Gas gibt.

MILVA ohne Segel. Findet den Fehler in der Betakelung!

Wir verlassen die Zandkreeksluis durch den schmalen Kanal in Richtung Oosterschelde, bis kurz vor der Einmündung an Tonne Z1 der Motor erneut ins Stottern kommt und ausgeht. Wir ziehen die Fock aus dem Rollreff, starten den Motor erneut und machen kehrt, zurück zur Schleuse, zurück ins Veerse Meer und den sicheren Hafen. Bei ein bis zwei Windstärken und wenig Strömung wie an diesem Abend ist ein unzuverlässiger Motor nicht das Problem, aber macht uns wenig Hoffnung bei ändernden Windbedingungen mit MILVA auf große Fahrt zu gehen.

Wir schaffen es mit drei weiteren Ausfällen in und durch die Schleuse und zählen bis zur Delta Marina dreizehn Motorneustarts. Verflixt! Was hat ein neuer Mercury 5PS Außenbordmotor gemeinsam mit dem alten 3.3 PS Mercury, genannt LE VIBRATEUR?

Le Vibrateur hatte zuletzt einen verschmutzten Vergaser. nach der Reinigung beim Neckarstädter Rasenmäherfachmann brachte ich ihn gar nicht mehr an, da das Gelbe Sofa ohne den Ballast besser zu segeln war. Das Vergaserproblem kann man vermeiden, indem man nach jeder Fahrt den Vergaser und die Benzinzuleitungen leerlaufen lässt. Wir taten das, mit jeder Hafeneinfahrt. Die Wasserkühlung funktionierte, bei Verwendung im Salzwasser sollte man den Motor mit Süßwasser spülen. Das konnte aber nicht der Grund sein. Ich gebe dem Außenborder den Namen Freddy und spreche ihm Vertrauen zu. Vielleicht ist es so wie mit Krankheiten. Je größer die Angst davor, desto wahrscheinlicher dass man betroffen wird.

Wir öffnen den Deckel und stellen fest, dass der interne Tank fast leer ist. Aber was das mit dem vollen externen Tank und den Ausfällen zu tun hatte, die so klangen, als bekäme der Motor nicht genügend Benzin kam uns nicht in den Sinn. Nach intensiverer Studie des englischen Handbuchs und Einholen mehrerer Meinungen von Autobastlern und Motorboothändlern hatten wir die Lösung: der Motor zieht Benzin von dem Ort des geringsten Widerstands. Und die Zuleitung zum fast leeren internen Tank war während aller unserer ca. 20stündigen gesamtnutzung des Motors geöffnet.

Bordleben

MILVA MANNHEIM, TEXT

N 51° 33.252′   E 003° 48.616′     Delta Marina | Kortgene

MILVA liegt im Hafen und schaukelt bei 6 Windstärken neben der TEMPTATION Antwerpen mit vom Salzwasser schnell begrünendem Unterbau durch seinen Platz K17. 

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Um nicht ständig auf der Suche nach Dingen zu sein, von denen man weiß, sie sind auf dem Boot, aber nicht, wohin man sie zuletzt gelegt hat, hielt ich es für notwenig, ein paar transparente Plastikboxen für die Backskisten zu organisieren und die Seitenwand Taschen mit Etiketten zu versehen, die auch für Ordnungshüter oder Räuber die Suche erleichtern: BOOKS | VISUALS | SPIRITS | ELECTRIQUE | ROPES/GLOVES | WEEDS | SNACKS | CLOTHES

Kleines Rätsel für die Leser, die wichtigsten Dinge an Bord des so im Segelmagazin Yacht definierten Weekenders sofort aus finden. Wo befindet sich auf MILVA

– der Portwein zu Rasmus’ Ehren und der Monkey47 für eventuelle Bestechungsversuche?

– die in den Niederlanden und Belgien verpflichtend an Bord zu führenden zwei Bände des Wateralmanak?

– das Sammelsurium an homöopathischen Mittelchen?

– der alte Vorhang zum übern Kopf hängen als Schutz vor Blicken der Crew beim Toiletten- … äh … Eimergang?

Zur Einweihung der Bordküche, gelungener Verlegung der Aldi-Multifunktionsmehrfachsteckdose vom in der Backskiste angebrachten Landstromanschluß in die Kajüte, sowie der Nutzung des mitgebrachten Pürierstabs gabs frisches Basilikumpesto mit Buchweizenfussili zu einem belgischen Bierprobenpaket anlässlich der Tour de France, die Wochen zuvor in der Tat durch die Gegend sauste.

VA18_BORDLEBEN-1

MILVA, the Veerse Meer and its shallow shoreline

english, MILVA MANNHEIM

N 51° 32.728′   E 003° 48.341′ | Red Buoy Number VM22

After a day of craning, setting up the mast, sprayhood and preparing the main drop system, MILVA went on her first cruise in the Veerse Meer. Two sweet Belgian ladies in the harbour, with a lifetime experience in sailing doing an afternoon tea time in the sun, commented our departure with ‘next time you should prepare that just a bit better’.

kortgene_vm22At wind speed of 17 knots in peaks, lots of motor boats and sail yachts around (due to the public holiday in Belgium) in the narrow channel just in front of Delta Marina in Kortgene, it was a quite demanding first time cruise and ended up in drifting to shore due to an unnecessary giving way to a motorboat. It is to blame La capitana who let MILVA pass red buoy VM22 starboard side trying to tack at almost no speed and wind gusts. The tack didn’t work, so MILVA slowly drifted on shore and slightly got stuck with its 1.15m keel in the ground. Two sailors in a dinghie offered their help, people onshore trying to give advice, but in the end Lala-lala-Lola managed to get the engine running backwards and La capitana could push the boat with the rudder standing at the bow and donating her (for sailing apparently unsuitable) green Rayban sunglasses to the Veerse Meer. Another reason to finally get the fancy polarized Polaroid sunglasses!

MILVA & TECHNIK: AUFRIGGEN EINER VARIANTA 18

MILVA MANNHEIM, techie

Wenn der Mast mithilfe eines Mastkrans gestellt werden kann, Mast vom Block nehmen und die folgenden Mastmontagen an Land vornehmen:

Masttop Montagen:
Windmesser mit Kabelsteckverbindung (zeigt am Mast nach vorne)
– Windex (zeigt am Mast nach hinten)
 
Mast Montagen:

1. Salinge befestigen (nach hinten zeigend)

2. Leinen an Salingen befestigen für

– Maindrop System

– Flaggen, Ankerball, Motorkegel (durchgehend zwei Lagen, so dass man Flaggen zwischen beide Enden der Leine anbringen kann – jeweils 10m Leine)
 
– Dirk an Baum und Vorrichtung Nationale (Flagge)

MILVA & TECHNIK: ABRIGGEN EINER VARIANTA 18

MILVA MANNHEIM, techie

1. Genua aus Furlex Rollreffanlage ausfädeln (an Metallschlitz darauf achten, sodass Segel sauber durch den Schlitz läuft)

– Fallen sichern

2. Sprayhood abbauen
– Spanngurte lösen
– Reißverschlüsse öffnen
– Befestigung vorsichtig aus der Schiene führen
– Sprayhood mit Fenstern oben – Knicke vermeiden – sicher ablegen und später auf Baum mit Großsegel/maindrop system im Schiff ablegen
– Metallbögen zusammenklappen und entfernen und im Boot sicher ablegen
 
3. Maindrop System abbauen ( weiße Fallen: Palstek am Maindrop öffnen, aus dem Fall Ring nehmen und an der maindrop persenning wieder befestigen. Die Fallen bleiben an der Saling hängen, befestigt an den mastklampen
 
4. dirk lösen und zweite person bitten, baum zu halten/hochzudrücken. dann baumniederholer und baumkicker barton teil aus baum lösen und entfernen.
 
5. baum von zweiter person rútteln lassen und dabei baum aus mastvorrichtung entfernen. baum ins boot legen
 
6. kreuz für mastauflage vorbereiten
– nach hinten am ruder und nach vorne durch metallöse im cockpit absichern, kreuz in spalt hinter backskistte stellen
7. styroporblock als ablage auf vorschiff legen (ca. über luke)
 
8. mast legen
– vanten lösen aber nicht abmachen!
– zweite Person entfernt splint /bolzen an furlex und hält furlex. splint/bolzen zwischen gennakerbaum und klampe sicher ablegen und später an furlex befestigen
– zweite person lässt langsam mast ab, während erste person mast nach hinten hält und schließlich auf dem kreuz ablegt
 
9. fallen und kabel am mast mit gummibändern/zeisingen sichern und mast auf kreuz sichern, damit mast sich nicht vom kreuz bewegen kann
10. Salinge lösen
11. vanten aus salingen lösen (untervant ist hinter obervant überkreuzt)
12. vanten aus mast lösen und nach seiten beschriftet ins schiff legen
13. mast um styroporblock und bug mit leine  sichern
 

Interkulturelles Coaching au bateau

MILVA MANNHEIM

N 49° 22′ 41″    E 008° 28′ 06″   |  Otterstädter Altrhein

Smoothie-vertUn demi cours francais au bateau. Die eigentliche Idee war, wer deutsch spricht geht über Bord. Das haben wir  dann aber doch nicht so durchgeführt. Erstens war das zulässige Gesamtgewicht von 450 kg vermutlich bereits mit 5 Personen und drei gefüllten Kühlboxen überschritten, dass sich das Überbordgehen erübrigen würde und wir selbst französischsprechend  sinken, zweitens hatte La Navigatrice das französische Segelvokabular nicht gelernt und keine langage de commande,  stattdessen eine angeblich verführerische englische Voicemailansage auf dem Diensthändi, was unserer Sizilianisch-Wallonischen Professeur auf der Suche nach dem Otterstädter Stützpunkt der Seglervereinigung Mannheim aber auch nicht weiterhalf und sie nach 45 minütigem Kreisen durch die Straßen von Otterstadt auf dem Netto Parkplatz verzweifeln ließ. Irgendwann haben wir uns dann aber doch alle auf der MILVA eingefunden, mit grünen Smoothies, Vin Rouge, Saucissons, Baguette, Jeanette Claudette und wie sie alle heißen und segelten unter Genuasegel bei kleiner Windstärke in der Abendsonne im Otterstädter Altrhein.

Coulours Of Culture

(B)Logbuch MILVA Mannheim  

MILVA MANNHEIM

N 49° 22′ 23″    E 008° 27′ 49″  | Segelclub Otterstadt

Nach langer Planung und großer Erwartung erblickt “La Rossa” MILVA am 16.Mai 2015 um 12:05 mitteleuropäischer Sommerzeit die Nässe des Wassers beim Segelclub Otterstadt und erreicht nach dreistündiger Rheinabwärtsfahrt sicher ihren Heimathafen bei der Seglervereinigung Mannheim.

Mit diesem Eintrag beginnt das digitale Logbuch der MILVA Mannheim, eine Varianta 18 Segelyacht der Baunummer 131.

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Gewicht: 750kg
Höhe über Wasserlinie:  9,15m
Länge über Alles:  5,75m
Breite: 2,40m
Tiefgang: 1,15m
Segelfläche: ca.25 qm

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Hebebrücken und riskante Segelmanöver

MILVA MANNHEIM, plapperlaplapp, TEXT

Bisher dachte ich, die Hydraulik des Hebemechanismus an der Mannheimer Diffenébrücke wäre kaputt. Doch gestern stand ich länger im Autostau an der teilweise angehobenen Brücke. Der Mannheimer Hafensupport war schon im Anmarsch, als auch der Linienbus umdrehte und eine Umleitung einschlug. Ich frage mich jetzt, ob der Grund der blockierten Brücke ein Manöver eines meiner Segelkameraden war 😉