Samstag abend im Spassbad

Ins Spassbad gehen andere, um Spass zu haben und unsereins, um die Fünf-Mark-Stück-im-Hintern Methodik zu üben. Das Spassbad hat den Vorteil, dass man eine oder mehrere Bahnen für sich alleine hat, während sich der Rest im Warmwasserpaarungsbecken tummelt.

Nach meinen Versuchen, wie ich mit möglichst wenig Beinschlag vorwärts komme, und dabei immer noch das gedachte Fünf-Mark-Stück im Hintern behalte, begab ich mich auch dort hin. Der Begriff für das Becken traf diesen Abend wirklich zu. Es war Balz. Nachdem der Papa mit seinen Söhnen verschwand, befand ich mich dort allein mit U-Siebzehn-Pärchen, die Einwanderer-Slang sprachen. Einer lies sein Weibchen mal kurz dumm kuckend am Rand stehen und hechtete im Wasser rum. Isch hab’n Krampf! (vom Knutschen?). Ein anderer wollte beim Fummeln unentdeckt bleiben und ging unter seiner Angebeten auf Tauchkurs.

Auf dem Weg zu den Umkleidekabinen (wenn ich eins nicht leiden kann, dann ist es die Badeschlappen zu vergessen und in dem ganzen Samstagabend-Piss barfuss rumzulaufen) hörte ich aus einer Kabine eine väterlich klingende Stimme “Jetz hol die Nudel do raus!”. Meinte der Mann damit seine Frau im Schwimmbad oder etwas in der Badehose seines Sohnes?

Die Wahl einer geeigneten Umkleidekabine fiel etwas schwer, besetzt oder versifft. Ich wählte eine andere, nachdem auf Bank und Boden leere Geldosen und Schokoriegelverpackungen lagen. In meiner vermeintlich sauberen Kabine klebte auf der Kammablage eine gebrauchte Damenbinde.

Am Eisautomat am Ausgang schimpft eine Blondgefärbte “Jetz’ hab isch schon zwei Mal Geld eingeworfen und s’kommt immer noch nichts raus…” während ein Taubstummer neben ihr wild an den Dritten am Eisautomat gestikuliert und die Frau an der Kasse den Telefonhörer in die Hand nimmt.
Draußen vor dem Schwimmbad empört sich eine deutlich übergewichtige Frau (im Sprachgebrauch auch ‘Fette’ genannt) im Kreise ihre Gewichtsklasse “Jedes Mool wenn isch e Eis will isch där Audomaat kabutt! Aber au jedes Mool!”