Wir haben die Plätze 84K und 84J. Am Fenster. Reihe 83 vor uns ist leer. Beim Boarding completed ermuntert uns die Stewardess, Reihe 83 doch zu belagern, bevor andere aus den vorderen Plätzen auf die Idee kommen. Diesen wird kurze Zeit später ein Upgrade in die Premium Economy für schlappe 400Euronen Aufpreis angeboten.

Es ist ein Tagesflug. Wir können trotz des freiraums nicht schlafen. Die Geschichte von den Scheiss-Affen auf der Scheiss-Insel in Murakamis Roman ‘the windup bird chronicle ‘ reisst uns kichernd aus dem Halbschlaf.

plapperlaplapp, reisen, TEXT

Die Presse-Hose

plapperlaplapp, TEXT

Schade, dass ich nicht schon eher auf die Idee gekommen bin, mir
für das Ausüben von Dienstreisen auch ein ausübendes Zimmer zu reservieren. Das Holiday Inn bietet ausübende Zimmer sogar doppelt, das wohl bedeutet, dass man über den angrenzenden Badesaal (!) in Morgenrock und Hausschuhen in das andere Zimmer gelangen kann. Und dann die Minibar – um Getränke breiter als in anderen Hotels! Wie dämlich, dass ich mich bisher – verheiratet aber allein auf Reisen – immer in das Zimmer für Alleinstehende in Modegeschäft Hotels einquartiert habe! Die sind vielleicht schöner anzusehen, aber von Badesaal kann man dort wohl kaum sprechen, wenn man während dem Geschäftemachen simultan die Hände im Waschbecken baden kann und beim Duschen in der Badewanne ohne Duschwand und Duschkopfhalterung die 50 Quadratzentimeter große Bodenfläche unter Wasser setzt.

Manchmal hat man Glück und muss für so ein ausübendes doppeltes Zimmer nicht einmal die Spendierhosen anziehen. Denn die Kammer Executive stellt Ihnen auch eine Pressehose zur Verfügung. Die kann man dann getrost im Badesaal ausziehen und in Morgenrock Zeitung lesen.

ausuebendesDoppeltesZimmer

Lyrisch fragmentierte Zeilen

plapperlaplapp, TEXT

“Die Kämpferin ist die Frau am Computer” erklärt der SWR-Musikredakteur die moderne Interpretation der Monteverdi Oper TRE VOLTI – Drei Blicke auf Liebe und Krieg.

Die gesamte Aufführung – hochmodern! Ein Frauenchor mit Schlagzeug, Saxophon und Elektrogitarrenbegleitung besingt in lyrisch fragmentierten Zeilen eine “emanzipatorisch umgedrehte” Geschichte um einen Handy Verkäufer in Jerusalem und eine Drohnenkriegerin.

Das ist nicht die erste moderne Oper die ich sehe.  Aber bisher immer auf Einladung von kulturell bewanderteren Freunden, die entweder selber geigten oder bei ARTE Eintrittskarten gewannen.
Das erste Missverständnis schon geklärt, es geht nicht um Verdi sondern um Monteverdi, Claudio – 250 Jahre älter.

Beim ersten Mal war es eben auch etwas mit italienischen Übertiteln. Die Sängerin erinnerte derartig verzottelt an Janis Joplin und sang sitzend aus einem Einkaufswagen. Der Sänger lief mit einem Röhrenfernsehgerät auf dem Kopf über die Bühne. Beide beklagten ihr Liebesleid und man hörte immer wieder Bahnhofsdurchsagen.

PORNO RONDO: nackig aussehend angezogene Tänzer(innen) machen anzüglich ekstatische Bewegungen und enden auf einer Waschmaschine

Die Einführungsrede des Musikjournalisten (der uns unser Underdressed?-Gefühl zur Vorstellung im Schwetzinger Schloss dank seines zotteligen Erscheinens besänftigte)  versprach mir eine der Bahnhofskneipenoper ähnliche Aufführung. Und es kam sogar besser:

 

Beim Waschen ist eine Socke verloren gegangen. Und da bricht der Ehekrieg aus – Eine große schrecklich schöne Entfremdung.

Geschichte ist wenn dir dein eigener Name zerfällt.

Himmel und Erde schweigen. Das Meer senkt sich in seine Gründe.

Jeden Tropfen Blut muss man mit einem Tränenmeer bezahlen.

Glorinda bittet Tancredi sterbend um die Taufe.

Oy Oy

english, plapperlaplapp, reisen, TEXT

Talking about German language courses: Who needs that?! Some Germans, apparently.

Now that even The New York Times unveils the bitter fact that in Germany there are people being in some way excluded or laughed at for the way they speak. While natives speaking another dialect or non at all, don’t give a shit on how this is perceived, Swabians – probably also due to some perfectionism culture – feel ashamed and travelers amongst them are trying hard to get rid of their local accent, that might reveal to others a lot about the prejudice on their negatively perceived habits.

The story could however turn to the opposite. Comedian dodokay started promoting Swabian dialect and getting concert halls sold out for his Swabian performances. He’s giving back Swabian identity to all of us who were trying hard to cover their origins by lampooning Swabian Dorf Kultur.

Hayat = Leben

plapperlaplapp, TEXT

Im Heiligen Qur’an ist das Leben sehr vielschichtig beschrieben.

Wir haben das Leben gestern im Aufzug des Antwerpener Hauptbahnhofs getroffen und gemeinsam einen vor uns stehenden Zug mit der Sicherheitsbegründung ‘niet mer instaapen’  verpasst.

Es ist Sonntagabend, wir haben heute die Überpünktlichkeit der belgischen Eisenbahn bei Hin- und Rückfahrt erfahren und bei beiden daraus resultierenden Bahnhofsherumlümmeleien schöne Begegnungen.

Hayat bedeutet Leben, erklärt uns die sympathische Frau in ihren schätzungsweise Dreißigern, légère in Jeans, Pullover und einem hellen farbigen Kopftuch bekleidet – voller Freude über den interkulturellen Austausch –  in der Regionalbahn L2872 von Antwerpen Central nach Leuven. Ihr Name Hayat, sie ist Belgierin mit marrokanischen Wurzeln.

Voller Leben klingt auch das, was sie uns sehr authentisch in den 15 Minuten gemeinsamer Zugfahrt erzählt, einen betrunkenen Mann im Abteil seltsam zu uns drei Frauen hinüberschielen und uns  kopfschütteln lässt.

Hayat hat gerade ihren neunjährigen Sohn im Kinderheim besucht. Das Kind ist dort seit 15.Oktober letzten Jahres, nagt seither Fingernägel und rebelliert. Das Kind kam dorthin, weil ihr die belgischen Behörden auf Drängen des aus dem Irak zurückgekehrten Vaters das Sorgerecht entzogen.  Hayat erzählt uns eine Geschichte, die der des Romans ‘Nicht ohne meine Tochter’ gleichkommt. Der Irakische Vater reist mit Frau und fünfjährigem Sohn in sein Herkunftsland. Hayat muss und will zurück nach Belgien, der Vater nicht und besteht auf den Sohn. Die irakischen Behörden sprachen der Mutter das Recht auf ihr Kind zu, entließen diese in ihre belgische Heimat und verknackten den Vater.  Nach Absitzen der Haft kehrt auch dieser zurück nach Belgien und verklagt die Mutter…

Niet instappen!

plapperlaplapp, TEXT

Die belgische Bahn ist pünktlich. Meistens.   Wir wissen nun warum. Und haben beim Verpassen wunderbare Begegnungen.

Wir kaufen ein Billet und sehen um 12:35 auf dem falschen Bahngleis, dass um 12:36 ein passender Zug fährt. Und rennen. Und rennen. Und erreichen das Gleis. Und der Zug steht noch da.

Von meiner deutschen Bahnreiseerfahrung (Senk ju for träveling) weiß ich, dass man in Züge mit noch nicht verschlossenen Türen einsteigen kann. Unter Umständen sogar in bereits fahrende Züge bei schließenden Türen. S-Bahn-Surfer gelingt es ja sogar in fahrenden Zügen die Türen zu öffnen. Das tut jetzt zwar nichts zur Sache, denn wir wollten in einen stehenden Zug mit geöffneten Türen einsteigen, und nicht in einem fahrenden Zug die Türen zum Aussteigen öffnen.

Doch wir sind in Belgien. Es ist Sonntag. Ein gelangweilt aussehender Schaffner in dieser irgenwie doch albern aussehen hellgrau-orangenen Uniform mit kantiger grauer Mütze steht mit ausgestreckten Armen in der offenen Tür des Waggons. Die Anzeige zeigt ‘Niet mer instappen’, die Uhrzeit und Ziel des Zuges sind nicht mehr angeschlagen. Wir fragen also den Konduktör, ob dieser Zug denn nach Antwerpen fahre. Er schaut uns ausdruckslos an, und macht auch keine Anstalten, seine Niet-mer-instappen Sperre aufzulösen. Auf meine erneute Frage, denn ich bin inzwischen überzeugt, dass wir vor dem richtigen Zug stehen, verneint der Schaffner meine Frage. Und so stehen wir vor dem Zug, der Schaffner im Zug, wir schauen uns an, schauen den Schaffner in der geöffneten Tür an, bis gefühlte zwei Minuten später die Tür endlich schließt und der Zug abfährt. Nach Antwerpen.