Wir sind Kanzlerin…

… titelt die aktuelle Ausgabe der EMMA. Seit langem bin ich heute einer Leidenschaft nachgegangen, die vor zwei Jahren noch meine Umsteigeaufenthalte auf den Hauptbahnhöfen Stuttgart, Frankfurt, Mannheim, Heidelberg angenehmer gestalteten: Zeitschriften kaufen. Um meinen Horizont etwas auszuweiten, begab ich mich auf Neuland. Wollte mal wissen, ob die Frau in der Gesellschaft schon Fortschritte gemacht hat und was Männer wollen. In der EMMA sucht ein sechzigjähriger Akademiker, an Büchern, Schreiben, Musik und Musizieren, sozialen Fragen und Gesprächen interessiert, eine platonische Freundin, deren Alter und Aussehen keine Rolle spielt. Der Mann von heute liest scheinbar Karl – das kulturelle Schachmagazin, wobei sich gleich die Frage aufwirft, wie man denn unkulturell Schach spielt.
Weil der kicker immer nur über überbezahlte Idioten schreibt, die in 11er-Teams einem Ball hinterherrennen und deutschlandbezogen sowieso nur die Frauen Weltfussball zu spielen scheinen, gibt es jetzt das ff magazin – das frauenfussball magazin.
Während in der EMMA der Krieg zwischen Müttern und Nicht-Müttern analysiert wird, dürfen sich MAXIM Leser eines Die-schönsten-Frauen-des-Jahres (in Bikini) Kalenders und einem 192-Seiten-Alles-was-Mann-begehrt erfreuen (Schach, Musizieren, soziale Fragen), sowie sich über David Beckhams Karrierende empören.
Und damit mir die Leute ansehen, dass ich mit diesen anrüchigen Zeitschriften lediglich eine hochwissenschaftliche Privatstudie durchführen möchte – um mein Weltbild zu prägen – habe ich mir verzweifelt noch die ZEIT|Wissen, Max (mach was, so wird das Leben spannender) und natürlich Brigitte balance (Figur-Hit: Flamenco-Workout für zu Hause) gekauft.

Mein so leicht alternativ angehauchter Kollege hat
sich die Emma von mir ausgeliehen. Ihn interessieren die Sie-sucht-sie Anzeigen, begründete er sein Interesse. Als er mir die Zeitschrift wieder zurückbrachte, lobte er Frau Schwarzers Werk: Wenn ich eine Frau wäre, würde ich die Emma abonnieren.
Über Geschlechtsumwandlungen haben wir uns daraufhin jedoch nicht unterhalten. Ich bin eine Frau. Und ich werde Emma definitiv NICHT abonnieren.