Altennachmittag

Heute war ich beim Altennachmittag. Kam mir zumindest in Betrachtung der demographischen Struktur des dortigen Gastronomiebereichs so vor. Offiziell nannte sich die Veranstaltung Hauptversammlung, für die ich mir mal einen Tag Urlaub gegönnt habe, um das nach neunjährigem durchaus stolzen Angestelltenverhältnisses und Kleinaktionärdaseins auch mal mitzuerleben. Mal selber abstimmen, sich wichtig vorkommen und über die Unternehmensstrategie und alle Dummheiten, die zuletzt so passiert sind informieren, wozu man im alltäglichen Versuch, sich auf die wesentliche Arbeit zu fokussieren nie kommt. Es war ein Erlebnis!

Gemäß der Sustainability Mode habe ich auf das den Eintrittskarten angegliederte ÖPNV Kombiticket verzichtet und bin mit dem Fahrrad gefahren. Ist auch 28 Kilometer näher als zum Arbeitsplatz. Und war dadurch garantiert die einzige kurze Hose auf der gesamten Versammlung. Die Sicherheitskontrollen wie am Flughafen, nur viel netter als der Sicherheitsoffizier letzten November am Terminal 2 des Frankfurter Flughafens, der mich wegen meiner praktischen 5-Liter fassenden Bettwäscheplastikziptüte für Kosmetikprodukte im Handgepäck angepflaumt hatte. Heute musste ich nur meinen Fahrradhelm außerhalb des Altennachmittag-Versammlungsbereich lassen. Ich könnte ja den Vorstand damit bewerfen, so die Begründung. Was denken die von mir??? Mein Fahrradhelm in Gewahrsam zwischen Waffen, Messern, faulen Eiern und Tomaten, die die Sicherheits-Scans nicht überstanden haben.

Im Eingangsbereich lagen kostenlose Zeitungen aus. Ich hoffte auf das Handelsblatt mit einem ‘Aktiengesellschaft für Dummies’ Sonderheft. Stattdessen gab es VDI-Nachrichten, die Lokalblätter und die Stuttgarter Zeitung. Warum? Schwer überhörbar. Es gab schließlich was umsonst: Brezeln, süße Stückle, Kaffee, Spezi, Apfelschorle, Schweinegeschnetzeltes, Poulardenbrust und Kräuter-Gnocci mit Tomatensoße sowie Kuchen am Nachmittag. Pro Eintrittskarte Stimmkarten und einen Kugelschreiber. Den zweiten Kugelschreiber in einer schönen Mappe samt Notizblock und Geschäftsbericht auf jedem Sitzplatz im Versammlungssaal ausliegend. Zum Transport der Unterlagen die robusten -Tüten, die sich zur Aufbewahrung nasser Neoprenanzüge hervorragend eignen und bei Großeinkäufen im Discounter echt Eindruck schinden. Vor allem haben diese Tüten einen hohen Wiedererkennungswert. Selbst auf der fachfremden Eurobike Messe in Friedrichshafen habe ich schon Nutzer dieser Plastiktüte gesehen. Gemessen an der Nutzung dieser Plastiktüten haben wir die angestrebte Milliarde Nutzer unserer Produkte garantiert schon jetzt! Und das alles schon für den Besitz einer Aktie mit einem aktuellen Kurswert um die 43 EUR 🙂

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2 thoughts on “Altennachmittag”

  1. Ü30 ist heute schon alt. Wie alt bist Du ? 😉 In kurzen Hosen, wo bleibt denn der Respekt 🙂

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