Verstopfung

die lieben nachbarn, TEXT

Mannheim. Sonntag Morgen um 8:00 Uhr MEZ. Lola und Mala sind Nachbarinnen und haben sich in letzter Zeit häufiger zum gemeinsamen Laufen um und Eistauchen im See verabredet. Doch heute läuft alles anders. Beim Ankleiden in Badeanzug und Laufklamotten vernimmt Lola ein anhaltendes Stöhnen außerhalb ihrer Wohnung. Wer ist das, schießt es Lola ins Hirn, horcht an der Tür und identifiziert eindeutig ihre herzkranke, 77 Jahre alte Nachbarin, die ihr schon diverse Einzelheiten ihrer Gallen-OPs und nervigem Ex-Freund bei gelegentlichen Paketübergaben in der Türschwelle erzählt hatte. Lola vermutete Nachbarin Magenplass mit Herzinfarkt im Treppenhaus liegend.
Es ist 7:58 Uhr, Lola weiß, dass Mala am Pizzaladen um die Ecke stehen und auf sie warten würde. Lolas Hirn rast. 2 Minuten. Sie betritt das Treppenhaus und stellt fest, dass das Stöhnen direkt aus der benachbarten Wohnung kommt. Sie klopft, ruft Frau Magenplass, vernimmt einen stammelnden Hilferuf und rennt. Rennt zu Mala am Pizzaladen um die Ecke. Mala hat Erfahrung mit sowas, dachte sie. Nach kurzer Beschreibung der Situation folgt Mala Lola vor die Wohnungstür der stöhnenden Nachbarin. Mala horcht an der Tür von Frau Magenplass, ruft ihren Namen in den stillen Flur der noch schlafenden Nachbarschaft. Keine Reaktion, Die Frau stöhnt weiter. Lola trifft die Entscheidung und wählt 110 von ihrem Festnetztelefon. Der Polizeibeamte nimmt die Adresse auf und verspricht schnelle Hilfe durch einen Kollegen, die Feuerwehr und einen Krankenwagen.
Wenige Minuten später erreicht das Tatütata den Ort des Notrufs, fünf Feuerwehrleute, ein Polizist und ein Sanitäter stürmen Lola gefolgt ins Haus vor die Wohnungstür von Frau Magenplass. Der Feuerwehrmann klingelt an der Tür. Die einem Herzinfarkt erlegen gedachte Nachbarin öffnet verdattert im Nachthemd, entschuldigt sich bei den Beamten wegen ihres Aussehens und erklärt den Grund ihres Stöhnens mit ihrer Verstopfung. Aus Verweigerung der Schmerztabletten stöhne sie beim morgendlichen Stuhlgang.
Und so fuhren Lola und Mala auch an diesem Morgen beruhigt an den Badesee.

Achtung! Gesetzesbrecher!

plapperlaplapp, TEXT

Mit dem Fahrrad in Zone 30 entgegen der Fahrtrichtung einer Einbahnstraße zu fahren, die nicht explizit für den Fahrradverkehr freigegeben wurde, kann durchaus als rechtswidriges Verhalten angesehen werden. Dabei auch noch bei Regen und schlechter Sicht über einen in Deutschland hergestellten – vermutlich ohne Zuhilfenahme arbeitender Kinder – Nabendynamo eine Fahrradbeleuchtung zu betreiben, die sich zwar mit dem Red Dot Design Award auszeichnet, aber nicht nach deutscher Straßenverkehrsordnung zugelassen ist, mag sowohl als Handeln entgegen der in diesem Land geltenden Gesetzgebung, als auch unvernünftig nach Kants kategorischem Imperativ ausgelegt werden. Dieser besagt:

Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.[§7 GRUNDGESETZ DER REINEN PRAKTISCHEN VERNUNFT in der KpV]

Manchmal möchte man aber auch einfach mal fünfegradseinlassen und eine Runde shoppen gehen in Mannheims Quadraten, an einem Samstagnachmittag. Die selbsternannten Hüter des Gesetzes sind dennoch immer und überall anzutreffen. Dazu müssen sie offensichtlich nicht einmal  ein Fahrzeug führen, das in diesem Land zugelassen ist.
Ich wurde heute von einem richtigrum in die Einbahnstraße abbiegenden grauen Mercedes Kombi der E (=ernsten) Klasse mit Berner Kennzeichen von der Fahrbahn abgedrängt, steige ab und schiebe mein Fahrrad auf den Gehweg. Der Mercedes mit dem schweizer Kennzeichen hält an und bedient seinen elektrischen Fensterheber. Ich halte inne und erwarte ein mit schweizerisch rollendem ‘R’ ‘Gruezi mitanand’ und vielleicht ein Kompliment zu meinem schönen Fahrrad mit den DT Swiss Felgen.  Stattdessen werde ich in akzentfreiem Deutsch auf meine Ordnungswidrigkeit hingewiesen: ‘Wissen Sie, dass Sie hier entgegen der Fahrtrichtung einer Einbahnstraße fahren? Das ist verboten! Ihnen ist schon bewusst, dass Sie dabei Ihren Führerschein entzogen bekommen können?’