Ludwigshafen bei Nacht

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Holla die Waldfee wollte zu Halloween. Erst. Dann aber doch nicht mehr. Da war aber schon alles zu spät. Jeder normale Mensch hätte – nach halbstündiger Stadtrundfahrt durch most-beautiful-town Ludwigshafen irgendwo eben falsch oder weiter wech geparkt und hätt’ die Lokation gesucht. Aber irgendwie doch schon neunzehneinhalb Stunden wach, Kaffee half nur für die Suchaktion in Ludwigshafen und der Entscheidungsfindung – bin müde, will nach Hause. Nur wie? Schon zu müde, um die Prosa des alten Schweden aus der doofen Kiste noch richtig zu interpretieren, die mich schließlich die letzte halbe Stunde kreuz und quer, immer erst mal falsch (weil da wohl schon nie richtig zugehört) durch LU geleitet hat. Und Mannheim. Mannheims Privatparkhäuser, um genau zu sein. Statt Straße nach Weinheim, weg ins Nirvana. Die Biegung wäre erst nach 40m gekommen. Die Rettung: die Notausfahrt.
Soundtrack:Söhne Mannheims – Ihr wisst nicht, wo der Himmel (äh, Halloween) ist.

LU

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Ludwigshafen ist tatsächlich so, wie alle erzählen, dass es sein soll: Hässlich. Rauchende Fabrikschornsteine, das Gelände um den Hauptbahnhof erweckt den Eindruck, als sei man in Ostberlin, und der Türke, der einen anspricht, wenn man mutterseelenallein kurz vor 22 Uhr in der Bahnhofshalle steht, darf natürlich auch nicht fehlen. Ich nenne ihn Üzgül. Üzgül brauchte Feuer. Puffelchen hatte natürlich keins. Ist vielleicht ein Zeichen, dass er nicht rauchen sollte, erklärte ich ihm. “Du nicht rauchen – is dir zu teuer? …. nein, isse ja auch ungesund. Leute essen su wenig wenn rauchen”. Ja, und wachsen nicht, dachte ich. Ich als Schlumpfine mit meinen 1,63 fühlte mich richtig groß. Aber Kaffee viel gefährlicher als Nikotin. Üzgül fand mich sympathisch, wollte mich zu Kaffee vom Automaten einladen. Ich wollte lieber auf den Bahnsteig. Außerdem wäre ACE-Saft besser als Kaffee, er sagt ja selbst, dass Kaffee ungesund ist. Üzgül würde mich auch zu ACE-Trunk aus dem Bahnhofs-Nescafe-Automaten einladen. Dankend abgelehnt und gemäß dem Plan auf Gleis ein hoch. Üzgül leistet weiterhin Gesellschaft. Ob ich aus Frankental komme. Wo um alles in der Welt ist Frankental??? Falscher Bahnsteig. Keine Ansage. Ansage wohl schon Feierabend. “Ich sage doch, ich kenne aus mich hier, nach Mannheim gehe auf die Gleis 2”. Üzgül folgt auf Gleis 2, entpuppt sich als Taxifahrer und hilft gerne Leuten. Ich fahre nach Mannheim Dich. … fahre auch Bensheim. Und in eine Monat, ich Urlaub. Meine Frage “Wohin denn?” hätte ich mir sparen können. Nach Schweden jedenfalls nicht. Dort sind im Dezember keine 25 Grad. Zug kommt. Zeit gut überbrückt. Üzgül freut sich, wenn ich mal wieder da bin. Und mich dann mit dem Taxi chauffieren lasse. Gegen Cash natürlich…