Niet instappen!

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Die belgische Bahn ist pünktlich. Meistens.   Wir wissen nun warum. Und haben beim Verpassen wunderbare Begegnungen.

Wir kaufen ein Billet und sehen um 12:35 auf dem falschen Bahngleis, dass um 12:36 ein passender Zug fährt. Und rennen. Und rennen. Und erreichen das Gleis. Und der Zug steht noch da.

Von meiner deutschen Bahnreiseerfahrung (Senk ju for träveling) weiß ich, dass man in Züge mit noch nicht verschlossenen Türen einsteigen kann. Unter Umständen sogar in bereits fahrende Züge bei schließenden Türen. S-Bahn-Surfer gelingt es ja sogar in fahrenden Zügen die Türen zu öffnen. Das tut jetzt zwar nichts zur Sache, denn wir wollten in einen stehenden Zug mit geöffneten Türen einsteigen, und nicht in einem fahrenden Zug die Türen zum Aussteigen öffnen.

Doch wir sind in Belgien. Es ist Sonntag. Ein gelangweilt aussehender Schaffner in dieser irgenwie doch albern aussehen hellgrau-orangenen Uniform mit kantiger grauer Mütze steht mit ausgestreckten Armen in der offenen Tür des Waggons. Die Anzeige zeigt ‘Niet mer instappen’, die Uhrzeit und Ziel des Zuges sind nicht mehr angeschlagen. Wir fragen also den Konduktör, ob dieser Zug denn nach Antwerpen fahre. Er schaut uns ausdruckslos an, und macht auch keine Anstalten, seine Niet-mer-instappen Sperre aufzulösen. Auf meine erneute Frage, denn ich bin inzwischen überzeugt, dass wir vor dem richtigen Zug stehen, verneint der Schaffner meine Frage. Und so stehen wir vor dem Zug, der Schaffner im Zug, wir schauen uns an, schauen den Schaffner in der geöffneten Tür an, bis gefühlte zwei Minuten später die Tür endlich schließt und der Zug abfährt. Nach Antwerpen.

 

Brussel Centraal

BXL, plapperlaplapp, TEXT


Brüssel. Zentrum Europas. Stadt der Bettler und Gammler. Ich nehme alle Beschimpfungen, die ich je über die Deutsche Bahn gemacht habe zurück. Nachts um halb eins sind alle Bahnhöfe grau. Der kalte Bahnsteig 3 von Brussel Centraal besonders und erinnert an einen schmuddeligen Kleinstadtbahnhof. der Ärger über den um zehn minuten verpassten letzten Zug im 30minuten Takt lässt auch nicht gerade nach, wenn man allein aus der Sorge, den letzten Zug nicht zu verpassen keine coole Bar mehr ausfindig macht und stattdessen wegen ab 23:45 verschlossenener Warteraumtüren eine dreiviertel Stunde auf dem Bahnsteig fröstelt, nur um dann zu erfahren, daß der IC Richtung Liège sich um environ vingt-six minutes verspätet, Wenigstens durften wir als Aufwärmmaßnahme noch den Bahnsteig wechseln und an dessen Anfang marschieren, da der verspätete Zug auch noch gekürzt und vollbesetzt war.

LU

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Ludwigshafen ist tatsächlich so, wie alle erzählen, dass es sein soll: Hässlich. Rauchende Fabrikschornsteine, das Gelände um den Hauptbahnhof erweckt den Eindruck, als sei man in Ostberlin, und der Türke, der einen anspricht, wenn man mutterseelenallein kurz vor 22 Uhr in der Bahnhofshalle steht, darf natürlich auch nicht fehlen. Ich nenne ihn Üzgül. Üzgül brauchte Feuer. Puffelchen hatte natürlich keins. Ist vielleicht ein Zeichen, dass er nicht rauchen sollte, erklärte ich ihm. “Du nicht rauchen – is dir zu teuer? …. nein, isse ja auch ungesund. Leute essen su wenig wenn rauchen”. Ja, und wachsen nicht, dachte ich. Ich als Schlumpfine mit meinen 1,63 fühlte mich richtig groß. Aber Kaffee viel gefährlicher als Nikotin. Üzgül fand mich sympathisch, wollte mich zu Kaffee vom Automaten einladen. Ich wollte lieber auf den Bahnsteig. Außerdem wäre ACE-Saft besser als Kaffee, er sagt ja selbst, dass Kaffee ungesund ist. Üzgül würde mich auch zu ACE-Trunk aus dem Bahnhofs-Nescafe-Automaten einladen. Dankend abgelehnt und gemäß dem Plan auf Gleis ein hoch. Üzgül leistet weiterhin Gesellschaft. Ob ich aus Frankental komme. Wo um alles in der Welt ist Frankental??? Falscher Bahnsteig. Keine Ansage. Ansage wohl schon Feierabend. “Ich sage doch, ich kenne aus mich hier, nach Mannheim gehe auf die Gleis 2”. Üzgül folgt auf Gleis 2, entpuppt sich als Taxifahrer und hilft gerne Leuten. Ich fahre nach Mannheim Dich. … fahre auch Bensheim. Und in eine Monat, ich Urlaub. Meine Frage “Wohin denn?” hätte ich mir sparen können. Nach Schweden jedenfalls nicht. Dort sind im Dezember keine 25 Grad. Zug kommt. Zeit gut überbrückt. Üzgül freut sich, wenn ich mal wieder da bin. Und mich dann mit dem Taxi chauffieren lasse. Gegen Cash natürlich…