Dream Liner und komische Käuze

Geschafft! Allen besorgten Kommentaren von Kollegen und Freunden entgegen sitze ich jetzt am Gate B48 am Frankfurter Allerweltsflughafen auf dem Weg zum Ashram Surf Retreat nach Südindien.

mumbai_streets-119:30 Den richtigen Check-in Schalter hätte man auch am Geruch erkennen können. Air India – A787 Your Dreamliner. Mit mir stehen indische Familien mit quengelnden Kinder und einer Masse Gepäck mit gewürzen, ein Ehepaar aus den 68ern, der Frau mit dem flotten kurzhaarschnitt und dem Mann mit den langen grauen haaren nach zu urteilen, und alleinreisende Mädels wie ich in der Warteschlange. Ich muss spontan an einen Kollegen denken, mit dem ich vor jahren in der Firma beim Tischkickerturnier als Team ‘Hot Chai’ angetreten bin. Eine Kaffeefahrt wird dieser Ausflug in den kommenden vier Wochen bestimmt keine werden.

21:15
Im Horoskop (tarot scope)in der Novemberausgabe von SHUB YATRA, dem Air India magazin, stehen die Sterne auf meiner Seite:
This is a time to find yourself and spend time meditating. Work will keep you busy. There will be some frustration with a friend or a colleague. Your finances will improve over the next weeks. saving is your priority.

22:30
Im Dream Liner brennt noch Licht, der kleine indische Junge neben mir mit dem nett aussehenden Papa mit dem schwarzen Tuch aufm Kopf erfreut sich am Bowling Videospiel, das Entertainmentprogramm bietet neben Bollywood Musikvideos und Hollywoodschnulzen auch eine Doku ‘a la carte – food on the Streets of India’ und 360′ Netherlands, bei dem ein Blonder Bursche in orangenem T-Shirt auf einem Fahrrad die Sehenswürdigkeiten unserer Nachbarn vorstellt.

09:10 (04:40) Ankunft Delhi
Nachdem man den passkontrolleuren nur grimmige Blicke und ein angenervtes ‘Your boarding pass to Delhi please’ entlocken kann, klappts auf der Toilette mit einem erwiderten Lächeln: die putzfrau singt mantras, trägt mir die papiertrockentücher her und hält mir die hand vor den Wassersensor, damit ich Händewaschen kann. Beim Zähneputzen fällt mir ein, dass ich eigentlich mit Mineralwasser putzen sollte. Aber gilt das auch für Flughäfen? Das Ausspülen ließ ich dann sein. man weiß ja nie.

11:00 schlafe auf den Liegesesseln vorm gate für den Anschlussflug fast ein. Aber man soll ja sein baggage nicht unattended lassen, also doch für einen Cappuccino zum Café Costa, bei dem man nichts bezahlen muss und die verkäufer bei der geschäftsleitung verpetzen soll, wenn man kein Receipt zu seinem Purchase bekommt. Also doch Kaffeefahrt. Erste Blähungen. Vom nächtlichen Air india hauptgang.

16:00
mumbaiTaxidriver-1prepaid Taxi Mumbai. Der Schalter war leicht zu finden in der Ausgangshalle. Ein Schild rät ‘book a Taxi within the next five minutes to avoid inconvenience’. Die überaus geschäftstüchtigen Jungs am Schalter reagieren nach einer weile auf meine Anwesenheit und schicken mich zu einem anderen Schalter im Außenbereich. Für 580 Rupees wähle ich die AC Variante mit gepäck und gerate an den nächsten grimmigen alten Mann, der es gerade noch schafft, meinen Rucksack auf den Beifahrersitz zu werfen und mir die Tür in dem nostalgisch anmutenden Minifahrzeug zu öffnen, bevor er sich missmutig auf seinen rechten fahrersitzt fallen lässt. Außer ein OK dass ich Fotos mache und das Angebot, eine mautpflichtige Schnellstraße zu nehmen, das ich der Stadt- und Staurundfahrt zuliebe nicht annehme, fallen auf der ca. 80minütigen Fahrt, auf der wir dem Kläranlagengeruch zufolgern an Slums vorbeigefahren sein müssen, keine Worte. Aber dann bei Ankunft am Seagreen Hotel bettelnd glotzen. Außer dem Portier und dem Gepäckträger, dem ich dann schließlich einen 10 rupees Schein in die Hände drücke (und darauf kurzerhand nochmal ein anderer zimmerjunge anklopft und die handtücher vom bett auf die Kommode legt) waren die beiden rezeptionisten auch richtige Spassbremsen. Ob das am preis fürs zimmer liegt? Mumbai ist extrem in bezug auf die Zimmerpreise im Landesdurchschnitt. Für den Seeblick am marina drive (und das Zimmer mit balkon muss man extra verlangen, sonst landet man für denselben preis in einer Dunkelkammer) blättert man 4200 Rupees pro Nacht auf die Theke, 50€, und hat Guesthouse Standard ohne Guesthouse Atmosphäre. Auf der Suche nach typhusfreiem Wasser und keinem richtigen Hunger lande ich in dieser Nobelhotelsiedlung Churchgate in einem stark klimatisierten westlichen café und ärgere mich darüber. Morgen gibt’s frühstück von der Straße, schwöre ich mir, denn die einzigen an meinen Käufen interessierten waren bisher zwei Blumenverkäuferinnen am Straßenrand, die meinem taxi freudestrahlend hinterherwinken und ein Dosa-bäcker am Straßenrand.