Drei-Meter-Brett

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Eigentlich wollte ich zur Übung des Telefonzellenprinzips (Fasse dich kurz) nur kurz meine persönliche Enttäuschung des Tages melden: das Drei-Meter-Brett ist weg!

Dann wurde mir aber schlagartig klar, dass sich zur Generation Z oder gar Y zuzuordnende Leser dieses Beitrags mehr unter Twitter als unter einer Telefonzelle vorstellen können, die Tatsache mit dem fehlenden Sprungbrett  mit fehlender Ortsangabe keinen Informationsgehalt hat, und dieser Beitrag ein Follow-Up zu den Jumpern aus dem Jahr 2008 darstellt.

Dies will ich nun in echter, ungefilterter Plapperlaplapp-Manier in vielzähligen Halbsätzen ausführlichst dokumentieren.

In Anlehnung an die Jumper’08

Es gibt Dinge, die macht man nie wieder. Gesteht man sich als Ü30 Jährige ein. Bis man vielleicht vierzig ist.

gesellte sich heute eine bald Vierzigjährige mit dem letzten Zipfel einer vor neun Jahren erworbenen Zehnerkarte in ein Hockenheimer Spaßbad. Warum? Um auf das vor neunundzwanzig Jahren erworbene Jugendschwimmabzeichen Silber aufzusetzen und für das erfolgreiche Erstehen des gleichsilbrigen DLRG Rettungsschwimmabzeichens zu trainieren. Was bedeutet, neben albernen Schwimmübungen ohne Brille in gechlortem Nass auch noch einen Sprung aus 3 m Höhe zu wagen.  Daraus wurde nun nichts mehr. Ich nahm die Rutsche, legte mich anschließend ins Kneippbecken und dachte an die Ü30 jährige von damals, die mit Vierzig einen Ironman machen wollte.

Hayat = Leben

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Im Heiligen Qur’an ist das Leben sehr vielschichtig beschrieben.

Wir haben das Leben gestern im Aufzug des Antwerpener Hauptbahnhofs getroffen und gemeinsam einen vor uns stehenden Zug mit der Sicherheitsbegründung ‘niet mer instaapen’  verpasst.

Es ist Sonntagabend, wir haben heute die Überpünktlichkeit der belgischen Eisenbahn bei Hin- und Rückfahrt erfahren und bei beiden daraus resultierenden Bahnhofsherumlümmeleien schöne Begegnungen.

Hayat bedeutet Leben, erklärt uns die sympathische Frau in ihren schätzungsweise Dreißigern, légère in Jeans, Pullover und einem hellen farbigen Kopftuch bekleidet – voller Freude über den interkulturellen Austausch –  in der Regionalbahn L2872 von Antwerpen Central nach Leuven. Ihr Name Hayat, sie ist Belgierin mit marrokanischen Wurzeln.

Voller Leben klingt auch das, was sie uns sehr authentisch in den 15 Minuten gemeinsamer Zugfahrt erzählt, einen betrunkenen Mann im Abteil seltsam zu uns drei Frauen hinüberschielen und uns  kopfschütteln lässt.

Hayat hat gerade ihren neunjährigen Sohn im Kinderheim besucht. Das Kind ist dort seit 15.Oktober letzten Jahres, nagt seither Fingernägel und rebelliert. Das Kind kam dorthin, weil ihr die belgischen Behörden auf Drängen des aus dem Irak zurückgekehrten Vaters das Sorgerecht entzogen.  Hayat erzählt uns eine Geschichte, die der des Romans ‘Nicht ohne meine Tochter’ gleichkommt. Der Irakische Vater reist mit Frau und fünfjährigem Sohn in sein Herkunftsland. Hayat muss und will zurück nach Belgien, der Vater nicht und besteht auf den Sohn. Die irakischen Behörden sprachen der Mutter das Recht auf ihr Kind zu, entließen diese in ihre belgische Heimat und verknackten den Vater.  Nach Absitzen der Haft kehrt auch dieser zurück nach Belgien und verklagt die Mutter…

Niet instappen!

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Die belgische Bahn ist pünktlich. Meistens.   Wir wissen nun warum. Und haben beim Verpassen wunderbare Begegnungen.

Wir kaufen ein Billet und sehen um 12:35 auf dem falschen Bahngleis, dass um 12:36 ein passender Zug fährt. Und rennen. Und rennen. Und erreichen das Gleis. Und der Zug steht noch da.

Von meiner deutschen Bahnreiseerfahrung (Senk ju for träveling) weiß ich, dass man in Züge mit noch nicht verschlossenen Türen einsteigen kann. Unter Umständen sogar in bereits fahrende Züge bei schließenden Türen. S-Bahn-Surfer gelingt es ja sogar in fahrenden Zügen die Türen zu öffnen. Das tut jetzt zwar nichts zur Sache, denn wir wollten in einen stehenden Zug mit geöffneten Türen einsteigen, und nicht in einem fahrenden Zug die Türen zum Aussteigen öffnen.

Doch wir sind in Belgien. Es ist Sonntag. Ein gelangweilt aussehender Schaffner in dieser irgenwie doch albern aussehen hellgrau-orangenen Uniform mit kantiger grauer Mütze steht mit ausgestreckten Armen in der offenen Tür des Waggons. Die Anzeige zeigt ‘Niet mer instappen’, die Uhrzeit und Ziel des Zuges sind nicht mehr angeschlagen. Wir fragen also den Konduktör, ob dieser Zug denn nach Antwerpen fahre. Er schaut uns ausdruckslos an, und macht auch keine Anstalten, seine Niet-mer-instappen Sperre aufzulösen. Auf meine erneute Frage, denn ich bin inzwischen überzeugt, dass wir vor dem richtigen Zug stehen, verneint der Schaffner meine Frage. Und so stehen wir vor dem Zug, der Schaffner im Zug, wir schauen uns an, schauen den Schaffner in der geöffneten Tür an, bis gefühlte zwei Minuten später die Tür endlich schließt und der Zug abfährt. Nach Antwerpen.