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MILVA & TECHNIK: Freddy, le vibrateur

N 51° 32.639′   E 003° 51.837′ | Veerse Meer – Zandkreeksluis

Wollte MILVA etwa mit den Herren von der Schleuse flirten oder braucht auch ein Außenbordmotor etwas Zuneigung?
Und Vertrauen?Es wäre nicht das erste Mal, dass mich ein Mercury Außenbordmotor nicht so ganz mit seiner Zuverlässigkeit überzeugt, denke an das VIBRATEUR MALHEUR oder die Ausfahrt mit Madame C, nach welcher sie nie wieder wagte ein Boot zu besteigen. Jedenfalls keines, das ich steuerte oder gar segelte!

Wir haben die MILVA heute mal durch die Schleuse gejagt und die Oosterschelde schnuppern lassen. Sowas kann man ja mal fürn Ernstfall üben bei wenig Wind und Verkehr. Ein nettes niederländisches Seglerpärchen, das wir im Bistro La Barca getroffen hatten, gab uns den Tipp, eine Leine von der vorderen Klampe durch den Ring an der Schleusenwand nach hinten auf die hintere Klampe durchzuziehen. Eine Methode geeignet für Einhandsegler und MILVA, die eh zu kurz wäre für ein Festmachen in der Schleuse mit Vor- und Achterleine.

Die zwei Seemeilen zur Schleuse liefen wunderbar. Wir überstanden den Prozess des Schleusens an sich mit der Erkenntnis, dass es doch einige Meter aufwärts ging und man die Leine besser auf Slip hält und das Boot gut abfendert. Die Brücke ging auf. Wir werfen die Leine los, stoßen uns von der Schleusenwand ab, und der Motor geht aus. Die Frau mit den Fendern hat tolle Tipps parat, die Frau am Motor versucht vergeblich den Motor nach gelungenem Start mit Und ohne Choke am Laufen zu halten. Milva driftet wieder Richtung Schleusenwand, die Jungs von der Schleuse werden unruhig und fragen was los ist. In anderen Worten: man schreit sich panisch an, was nicht zur Lösung des Problems beiträgt. Wir bekommen Tipps vom Schleusenwärter, die Brücke bleibt offen, und schließlich hilft uns ein französisch sprechender Motorbootfahrer beim Starten des Außenbordmotors, indem er beim gelungenen Start ohne Choke Kurz Gas gibt.

MILVA ohne Segel. Findet den Fehler in der Betakelung!

Wir verlassen die Zandkreeksluis durch den schmalen Kanal in Richtung Oosterschelde, bis kurz vor der Einmündung an Tonne Z1 der Motor erneut ins Stottern kommt und ausgeht. Wir ziehen die Fock aus dem Rollreff, starten den Motor erneut und machen kehrt, zurück zur Schleuse, zurück ins Veerse Meer und den sicheren Hafen. Bei ein bis zwei Windstärken und wenig Strömung wie an diesem Abend ist ein unzuverlässiger Motor nicht das Problem, aber macht uns wenig Hoffnung bei ändernden Windbedingungen mit MILVA auf große Fahrt zu gehen.

Wir schaffen es mit drei weiteren Ausfällen in und durch die Schleuse und zählen bis zur Delta Marina dreizehn Motorneustarts. Verflixt! Was hat ein neuer Mercury 5PS Außenbordmotor gemeinsam mit dem alten 3.3 PS Mercury, genannt LE VIBRATEUR?

Le Vibrateur hatte zuletzt einen verschmutzten Vergaser. nach der Reinigung beim Neckarstädter Rasenmäherfachmann brachte ich ihn gar nicht mehr an, da das Gelbe Sofa ohne den Ballast besser zu segeln war. Das Vergaserproblem kann man vermeiden, indem man nach jeder Fahrt den Vergaser und die Benzinzuleitungen leerlaufen lässt. Wir taten das, mit jeder Hafeneinfahrt. Die Wasserkühlung funktionierte, bei Verwendung im Salzwasser sollte man den Motor mit Süßwasser spülen. Das konnte aber nicht der Grund sein. Ich gebe dem Außenborder den Namen Freddy und spreche ihm Vertrauen zu. Vielleicht ist es so wie mit Krankheiten. Je größer die Angst davor, desto wahrscheinlicher dass man betroffen wird.

Wir öffnen den Deckel und stellen fest, dass der interne Tank fast leer ist. Aber was das mit dem vollen externen Tank und den Ausfällen zu tun hatte, die so klangen, als bekäme der Motor nicht genügend Benzin kam uns nicht in den Sinn. Nach intensiverer Studie des englischen Handbuchs und Einholen mehrerer Meinungen von Autobastlern und Motorboothändlern hatten wir die Lösung: der Motor zieht Benzin von dem Ort des geringsten Widerstands. Und die Zuleitung zum fast leeren internen Tank war während aller unserer ca. 20stündigen gesamtnutzung des Motors geöffnet.

Bordleben

N 51° 33.252′   E 003° 48.616′     Delta Marina | Kortgene

MILVA liegt im Hafen und schaukelt bei 6 Windstärken neben der TEMPTATION Antwerpen mit vom Salzwasser schnell begrünendem Unterbau durch seinen Platz K17. 

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Um nicht ständig auf der Suche nach Dingen zu sein, von denen man weiß, sie sind auf dem Boot, aber nicht, wohin man sie zuletzt gelegt hat, hielt ich es für notwenig, ein paar transparente Plastikboxen für die Backskisten zu organisieren und die Seitenwand Taschen mit Etiketten zu versehen, die auch für Ordnungshüter oder Räuber die Suche erleichtern: BOOKS | VISUALS | SPIRITS | ELECTRIQUE | ROPES/GLOVES | WEEDS | SNACKS | CLOTHES

Kleines Rätsel für die Leser, die wichtigsten Dinge an Bord des so im Segelmagazin Yacht definierten Weekenders sofort aus finden. Wo befindet sich auf MILVA

– der Portwein zu Rasmus’ Ehren und der Monkey47 für eventuelle Bestechungsversuche?

– die in den Niederlanden und Belgien verpflichtend an Bord zu führenden zwei Bände des Wateralmanak?

– das Sammelsurium an homöopathischen Mittelchen?

– der alte Vorhang zum übern Kopf hängen als Schutz vor Blicken der Crew beim Toiletten- … äh … Eimergang?

Zur Einweihung der Bordküche, gelungener Verlegung der Aldi-Multifunktionsmehrfachsteckdose vom in der Backskiste angebrachten Landstromanschluß in die Kajüte, sowie der Nutzung des mitgebrachten Pürierstabs gabs frisches Basilikumpesto mit Buchweizenfussili zu einem belgischen Bierprobenpaket anlässlich der Tour de France, die Wochen zuvor in der Tat durch die Gegend sauste.

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Interkulturelles Coaching au bateau

N 49° 22′ 41″    E 008° 28′ 06″   |  Otterstädter Altrhein

Smoothie-vertUn demi cours francais au bateau. Die eigentliche Idee war, wer deutsch spricht geht über Bord. Das haben wir  dann aber doch nicht so durchgeführt. Erstens war das zulässige Gesamtgewicht von 450 kg vermutlich bereits mit 5 Personen und drei gefüllten Kühlboxen überschritten, dass sich das Überbordgehen erübrigen würde und wir selbst französischsprechend  sinken, zweitens hatte La Navigatrice das französische Segelvokabular nicht gelernt und keine langage de commande,  stattdessen eine angeblich verführerische englische Voicemailansage auf dem Diensthändi, was unserer Sizilianisch-Wallonischen Professeur auf der Suche nach dem Otterstädter Stützpunkt der Seglervereinigung Mannheim aber auch nicht weiterhalf und sie nach 45 minütigem Kreisen durch die Straßen von Otterstadt auf dem Netto Parkplatz verzweifeln ließ. Irgendwann haben wir uns dann aber doch alle auf der MILVA eingefunden, mit grünen Smoothies, Vin Rouge, Saucissons, Baguette, Jeanette Claudette und wie sie alle heißen und segelten unter Genuasegel bei kleiner Windstärke in der Abendsonne im Otterstädter Altrhein.

Coulours Of Culture

(B)Logbuch MILVA Mannheim  

N 49° 22′ 23″    E 008° 27′ 49″  | Segelclub Otterstadt

Nach langer Planung und großer Erwartung erblickt “La Rossa” MILVA am 16.Mai 2015 um 12:05 mitteleuropäischer Sommerzeit die Nässe des Wassers beim Segelclub Otterstadt und erreicht nach dreistündiger Rheinabwärtsfahrt sicher ihren Heimathafen bei der Seglervereinigung Mannheim.

Mit diesem Eintrag beginnt das digitale Logbuch der MILVA Mannheim, eine Varianta 18 Segelyacht der Baunummer 131.

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Gewicht: 750kg
Höhe über Wasserlinie:  9,15m
Länge über Alles:  5,75m
Breite: 2,40m
Tiefgang: 1,15m
Segelfläche: ca.25 qm

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Hebebrücken und riskante Segelmanöver

Bisher dachte ich, die Hydraulik des Hebemechanismus an der Mannheimer Diffenébrücke wäre kaputt. Doch gestern stand ich länger im Autostau an der teilweise angehobenen Brücke. Der Mannheimer Hafensupport war schon im Anmarsch, als auch der Linienbus umdrehte und eine Umleitung einschlug. Ich frage mich jetzt, ob der Grund der blockierten Brücke ein Manöver eines meiner Segelkameraden war 😉

Einfach nichts denken

Auf der Suche nach der Ursache meiner Ohrgeräuschsymptomatik bin ich in Hape Kerkelings Jakobsweg Pilgerreiseroman Ich bin dann mal weg auf einen Erklärungsversuch und Heilungsansatz gestoßen, der mir nicht fremd ist.  Einfach nichts denken. Vielleicht ist es dieser Zustand in den ich mich beim Jollensegeln oder Slacklining befördere, und mir damit bereits mehrfach die klassische Hörsturztherapie  mit Cortisoneinnahmen und Infusionen ersparen konnte.

Man ahnt gar nicht, was mit dem Körper passiert, wenn man ihn ohne Denken und Sprechen nur vorantreibt und läuft. Einfach nicht denken. (…) Aber mein Denken zu stoppen ist fast unmöglich. In Gedanken stimme ich ständig irgendwelche Lieder an oder denke über zusammenhanglosen Schrott nach. Wo sind meine Hausschlüssel? Zigaretten kaufen, kaputte Füße, Hunger auf Kartoffelsalat! Irgendwann schalte ich im Kopf tatsächlich den Denkstrom ab und denke einfach nichts mehr. Einen Weg zu beschreiben, den man ohne Gedanken geht ist nahezu unmöglich. Da man die Dinge nur noch ungefiltert und ohne sie zu bewerten wahrnimmt. Und wertfreies Wahrnehmen lässt sich später kaum schriftlich formulieren. Alles wird eins. Mein Atem, meine Schritte, der Wind, der Vogelgesang, das Wogen der Kornfelder und das kühle Gefühl auf der Haut. Ich gehe in Stille.  Drücke ich während des Wanderns mit meinen Füßen auf den Weg oder drückt der Weg auf meine Füße? Ohne meine Gedanken bin ich ohne Ausdruck und die Landschaft, die Geräusche und der Wind beeindrucken mich nicht. Auch Hässlichkeiten wie eine tote Katze auf dem Weg, oder Schönheiten wie die schneebedeckten Gipfel des kantabrischen Gebirges hinterlassen keinerlei Eindruck. Diese totale Abwesenheit von Druck ist ein barmherziger Zustand. Er bringt keinen Spaß, aber auch kein Leid mit sich. Und am Ende des Weges stelle ich fest, wenn ich mich nicht in Wort und Gedanken ausdrücke, beeindruckt mich auch nichts. Weder Wind noch Regen. Wenn man seinen Ausdruck in Denken und Handeln, Sprechen, Singen, Tanzen nicht gelegentlich pausieren lässt, verselbständigt er sich und das Ergebnis ist die Erzeugung ständigen Drucks. Jeder eigene Ausdruck führt zu einem Eindruck bei anderen, und der erzeugt in ihnen neuen Ausdruck, der widerum für einen selbst beeindruckend ist. Der sich ständig ausdrückt ist auch immer beeindruckt. So entstehen Ehekräche und Weltkriege. Irgendwann legt dieser ständige Druck jeden lahm. In der Stille herrscht kein Druck. Wenn ich nichts denke, nichts ausdrücke, bin ich aber trotzdem immer noch da.  Auf dem Weg treffe ich eigentlich immer wieder nur auf eins. Auf mich. Und was ich in Zukunft ausdrücke, werde ich mir noch genauer überlegen als bisher. [ Hape Kerkeling . Ich bin dann mal weg ]