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Chi non ama i fiori non ama il marito

Vor zwei Wochen habe ich mir in einschlägigem schwedischen Kaufhaus (oder: dem Synonym für sinnbefreite Ausgaben) einen Pseudo-Bonsai angeschafft. Damit ich in unserem Büro voll nachhaltigen Gedankenguts nicht nur friere wie nachts im Wald verlaufen, was das Tragen einer Mütze auch im Innenraum rechtfertigt, sondern auch die Optik stimmt. Wo drei Personen einen lässigen French Lover in lila Shirt und grüner Gießkanne bei dessen wöchentlichen Fürsorgerundgängen schon fast vorm Übergießen abhalten müssen, kann es einer dritten Pflanze nicht schlecht gehen. Pseudo-Bonsai daher, weil mein Gehirn schon in der Pflanzenabteilung Körperteile in den Stämmen der richtigen Bonsaibäumchen assoziierte. Damit wollte ich nicht täglich beim Betrachten eines unschuldigen Pflänzchens konfrontiert werden – in harmonischer Zusammenarbeit mit Trägern solcher Körperteile. Pseudo-Bonsai wurde im Büro willkommen geheißen und vom mit African Bushman Chocolate kürzlich scheinvergifteten French-Lovère total ignoriert. Dadurch wurde das Minibäumchen schon mal nicht ertränkt. Im Gegenteil. Eine knappe Woche später – der erste Rettungseinsatz. Ein bewässerungsfreies Wochenende später: Mein Pseudo-Bonsai verliert Blätter und die Blumenerde schimmert schimmelig 😦

Montag abend, 17.10 Uhr. Antonia ist mit ihrem Putzwagen durch die Büroflure im Anmarsch. Mein italienisch wird immer besser seit ich wöchentlich mein begrenztes Pizzeria-Italienisch – Buonasera, come stai, io sto bene e tu? anwenden kann.
In meinen Erzählungen vom Wochenende über die Verbesserung meines französischen Sprachvermögens in leichter Glühwein-Trunkenheit kommen wir auf den French Lover.
– Ah – diese Mann mit die Plastikblume! lacht Antonia und kommentiert
nix gutt – musse kaufen richtige Blumen!
Ich zeige auf enttäuscht auf Pseudo-Bonsai und erläutere die etwaigen Vorteile der hiesigen bequemen Plastikblume.
– In Italia wir haben Sprichworte: Liebst du nicht Blumen liebst du nicht Mann.

– Chi non ama i fiori non ama il marito
Irgendwie ganz schön logisch, dass mein Pflänzchen auf dem dünnen Ast sitzt und daran sägt.

Auftakeln

Unter Auftakeln versteht man das Anbringen des Riggs 
(Mast, Spieren, stehendes und laufendes Gut)

Auftakeln ist mir aus meiner wasserfreien schwäbischen Kindheit bekannt durch die Beurteilung meiner Mutter anderer weiblicher Personen, z.B. “was isch des denn da für a uffdackelte Kuh?!” Direkt ins Hochdeutsche habe ich diesen Begriff immer mit ‘Aufgedackelt‘ übersetzt und damit eher ein derbes schwäbisches Schimpfwort, den ‘Dackel‘ assoziiert, wobei mir aber die Parallele zu der Hunderasse (die beurteilten Personen waren ihrer Ansicht nach fein gemacht, geschminkt, zeitgemäße Haarstyling) nie ganz verständlich war. Jahre später habe ich dieses Wort aus Belehrung eines besseren (rausgeschneckt) nicht mehr in den Mund genommen. Heute wird mir plötzlich alles klar.

Dies war der erste Beitrag aus der Reihe: Schwäbin lernt deutsch.