‘Mülltonnen dieser Welt’ – Indien

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muelltonnenTrivandrumAirport-1Seit langem sehe ich mal wieder einen Mülleimer! Am Flughafen zu Thiruvananthapuram (Trivandrum). Das sieht total nach ordnungsgemäßer Mülltrennung aus! Aber ich glaube es nicht.
Während wir uns in Deutschland vom grünen Punkt und seinen Recyclingprophezeihungen verarscht vorkommen, weil in den meisten Fällen der sauber getrennte Müll auf einen großen Müllberg gekippt und schließlich in gefilterten Müllverbrennungsanlagen verwertet wird, spielt Indien offenbar in einer anderen Liga. Trivandrum mag eine Müllverbrennungsanlage haben, aber die reicht bei weitem nicht aus. Auf dem Weg zum Flughafen fahren wir an einem Cricketspielfeld vorbei, von Plastikmüll gesäumt, durch Siedlungen, an denen alle paar Meter ein Häufchen liegt und ich überlege, ob ich meine Coladose nun einfach beim nächsten Häufchen das kommt aus dem Autofenster hinauswerfe. Vineeth erleichtert mir die Schandtat, nimmt meine Dose und schmeißt sie einfach irgendwo raus.

muellhalde_kovalam-1000521Mein Hals kratzt und ich bin nicht die einzige hier mit Schleimbildung, dessen sich Inder ungeniert durch röcheln, rotzen und spucken auf den Weg befreien. Man stellt besser nirgends seinen Rucksack auf den Boden außer zwischen die eigenen Beine, wenn man die Sauerei vermeiden will. Die Ursache der allgemeinen Atembeschwerden ist eindeutig dem Rauch zuzuordnen, der täglich beim Verbrennen irgendeines Abfallhaufens emporsteigt, und man will sich besser keine Gedanken über die toxische Wirkung der Dämpfe verbrannten Plastikallerleis machen.

Handy Aufladestationen und Zitronengras zum Kloputzen

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tea_munnar-0241  Indien ist ein sehr reiches Land, erzählt uns Ragu, unser Wanderführer auf den 2300m hohen Marlbrei bei Munnar. Aber sehr korrupt, und das Geld verschwindet auf schweizer Nummernkonten oder wird für Übernachtungen in so preiswerten Unterkünften wie dem Vivanta by Taj Resort in Madikeris Kaffeeplantagen investiert, wo eine Übernachtung so viel kostet wie das monatliche Einkommen eines unausgebildeten Arbeiters (18 000 Rupees – 250 Euro). Eine Teepflückerin verdient 200 Rupees am Tag, bei einer 6-Tage-Woche. Kein ehrlich verdientes Geld lassen hier die Inder, die sich so ein Hotel leisten können, so Chennappa aus Madikeri, der ungefähr genausoviel jährlich Schulgeld für seine Tochter bezahlt.
Druva aus dem Surfer Ashram fügte dessen noch hinzu, dass die Inder einfach nicht wissen, wie sie ihren Reichtum einsetzen, im Gegensatz zu den Chinesen.

Indian Coffee House, Kannur

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kannur-1Zwar bin ich außer dem Surfen auch wegen dem scharfen Essen nach Indien gereist, aber morgens ist mir wirklich noch nicht nach fritiertem und Chutneys, vor denen mich, wenn nicht gekocht, Chennappa warnte die Finger von zu lassen. Die erste Immodium hab ich vorsorglich gestern morgen vor der weniger luxuriösen Busfahrt durchs Bergland von Madikeri nach Kannur auf der Zunge zergehen lassen, nachdem mir vermutlich das Papad masala zu meinem Bier im aussichtsreichen Hotelzimmer im Mayura Valley View am Vorabend (bei dem das masala auf dem Papadam aus rohen zwiebeln, Tomaten, Erdnüssen und Koriander bestand) nicht so bekam.

Bei 30 Grad in der einer Million Einwohner umfassenden Hafenstadt Kannur an der Westküste im nördlichen Kerala angekommen ist mir hauptsächlich nach Trinken und schälbarem Obst, und vielleicht einem Milchkaffee oder -tee mit einem Bisquit aus einer Bakery. Meine Hosen kleben inzwischen mehr an mir vom Schweiß als das sie sitzen, aber irgendwie fehlt mir der Appetit.

Hühnerarsch bei Schlangengift und surfende Mönche

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So richtig angekommen in Indien bin ich noch nicht angesichts meiner täglichen IPad-Nutzung zur weiteren Reiseplanung und den vielen Ideen, die mir zu Kopf steigen und alle im internet zu recherchieren sind. Auch wenn es hier bei den vier hübschen Surf-Mönchen im Hare Krishna Ashram zu Mulki, dem Stützpunkt des Mantra Surf Club , nichts ungewöhnliches ist, im Internet zu surfen oder sich mit den aktuellsten Smartphones zu befassen. Wie die jungen Pärchen mit gut bezahlten IT Jobs aus Bangalore oder Mumbai, die hierher am Wochenende für einen Surfkurs kommen, als auch die Dorfbewohner Mulkis, deren Behausungen nicht einmal über fließendes Wasser verfügen. Sanjeev Bhaskar schreibt treffend in seinem Reisebericht ‘India’

is there a brandnew breed of super underclass rising in India? Those ‘have nots’ without even a mobile phone?

mulki_nachbarschaft Während ich hier das beste Zimmer gebucht habe, mit Veranda und Flussblick unter Kokosnusspalmen, Insektenabweisenden Gittern an den Fenstern, schönem Durchzug, Licht, Steckdosen, wobei in einer ein elektrischer vanilleduftzerstäuber steckt, und einem Bad mit zwar spärlich aber fließendem kalten Wasser, schaue ich auf die benachbarten Wellblechhäuschen mit zugehörigem Brunnen, aus dem das Wasser in den krügen kommt, mulky-0054mit denen sich die Bewohner im Palmenwald duschen, oder mit einem Waschbrett die Wäsche waschen. Die Kinder strahlen mich alle an, sagen ganz cool ‘Hi’ und kichern etwas von ‘English’. Für ein Foto mit meinem teleobjektiv posieren sie freudestrahlend. Gedanken, dass ich hier ausgeraubt werde, mache ich mir keine. Dafür sorgt die Hindu Religion und dessen Philosophie der Wiedergeburt in ein vielleicht besseres Leben.

Mumbai Horns / you give me money

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Dem Straßenverkäufer, der mir hinterherläuft und fragt ‘ do you like Mumbai?’ kann ich nur ein Schulterzucken erwidern. nach bekanntschaft mit Bettlern um das hotel ‘Taj Mahal Palace’ habe ich nicht mehr die größte Lust auf die Stadt, einen gelben Pmumbai-1unkt auf der Stirn, zwei Armbändchen mit Blumenblüten und leere Hosentaschen. Den nächsten bettlern, die mich beim Schnappschuss bemerkt haben, konnte ich so nicht einmal mehr 10 rupees in die hand drücken, weil ich ungefähr 700 den jungen frauen gegeben habe, die ich erst los wurde, als uns ein Polizist entgegen kam. Es fing an mit einem Greis, der für den gelben Punkt beleidigt den zehn rupees schein nahm. dann kam ein junges Mädchen, band mir Blumen ums handgelenk, wollte aber kein geld, sondern dass ich ihr Milch, Reis und Öl kaufe. Soweit so gut. Im laden wurde es dann etwas mehr Milch und der Händler tippte auf seinem taschenrechner etwas von 3100 Rupees – 45 €. Ich wollte jetzt nicht das Geschäft leerkaufen, gab dem Mädel die Scheine die ich hatte und wollte gehen. Dem nicht genug. ‘You pay with credit card’ , ‘give me Dollars’, ‘go to cash machine and get me money.’ Wow! Wie der kommentar des teigtaschenverkäufer am Strand auf mein ‘Yes, sure!’ zu seiner Frage ‘Are you married?’ Ein Ring an der hand genügt offenbar nicht zur glaubwürdigkeit, oder och sehe mit meinen Jetlag-Ringen unter den Augen so aus, als täte ihm mein fiktiver Ehegatte schon leid.

Dream Liner und komische Käuze

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Geschafft! Allen besorgten Kommentaren von Kollegen und Freunden entgegen sitze ich jetzt am Gate B48 am Frankfurter Allerweltsflughafen auf dem Weg zum Ashram Surf Retreat nach Südindien.

mumbai_streets-119:30 Den richtigen Check-in Schalter hätte man auch am Geruch erkennen können. Air India – A787 Your Dreamliner. Mit mir stehen indische Familien mit quengelnden Kinder und einer Masse Gepäck mit gewürzen, ein Ehepaar aus den 68ern, der Frau mit dem flotten kurzhaarschnitt und dem Mann mit den langen grauen haaren nach zu urteilen, und alleinreisende Mädels wie ich in der Warteschlange. Ich muss spontan an einen Kollegen denken, mit dem ich vor jahren in der Firma beim Tischkickerturnier als Team ‘Hot Chai’ angetreten bin. Eine Kaffeefahrt wird dieser Ausflug in den kommenden vier Wochen bestimmt keine werden.

21:15
Im Horoskop (tarot scope)in der Novemberausgabe von SHUB YATRA, dem Air India magazin, stehen die Sterne auf meiner Seite:
This is a time to find yourself and spend time meditating. Work will keep you busy. There will be some frustration with a friend or a colleague. Your finances will improve over the next weeks. saving is your priority.

“die Scheissbahn hat wieder ne Störung”

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Eindruecke aus dem ICE 11 Bruxelles – Frankfurt. Hat alles super geklappt mit dem Zuch – bis uber die Grenze. Auf deutschen Bahngleisen läufts wie immer, wenn ich mal mit Umsteigenmuessen mit der Bahn fahre. Die Mitreisenden zuecken ihre Mobiltelefone und teilen mit, dass sie wieder mal festsitzen. Der Schaffner verdreht sich gerade die Zunge mit der flämischen Version. Störing von de Oberleitning in Montabaur. Meinen Anschlusszug nach Mannheim kann ich vergessen bei berechneter Umsteigezeit von 7 Minuten und aktueller Verspätung von 10 Minuten bis Erreichen von Frankfurt Luchthaven. Ausserdem wollte ich versuchen, dann direkt mit der Anschluss-S-Bahn zur Arbeit zu fahren. Und am Abend dann das neue Mitfahrgelegenheitsprogramm der Firma beanspruchen. Wo ich mich sonst als Fahrer anbiete, wird mich ja auch mal jemand mitnehmen. Dachte ich. Issabernichso. mein Optimismus und die Gelassenheit erstaunt mich immer wieder. Vor allem, wenns darum geht, fuers corporate Gewissen den Firmenwagen zuhause stehen zu lassen, in der Hoffnung auf stressfreieres Reisen. issauchnichso. Bestraft mit der Hektik der Anschlusszugs- und Mitnahmemöglichkeitsfindung. Durch die neuen MFGs zur Arbeit sind nicht weniger Autos auf der Strasse, sondern weniger Kollegen in der Bahn.

photos de mariage dans la station du métro

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Statt vor Kirchen, historischen Gebäuden oder Parkanlagen –  Hochzeitsfotografie in Paris  – am Samstag in der Métrostation Cité . Da hat der gemeine Maroni-Tourist was angefangen. Mit der nächsten Métro kam gleich der nächste Schwung Menschen die gerne mal die Kamera zücken. Zuletzt griff der offizielle Fotograf die Idee auf – und wir kamen alle drauf aufs Hochzeitsfoto. Schön zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.


Hummus-Yali

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Yali hat gemailt! Yali ist auch so ein Grünstrickmützencobain, nur mit Arbeit. In einem kleinen schnuckeligen Falafelladen (Hummus Place, 99 MacDougal, Greenwhich Village), den ich mir letztens als Location fürs Abendessen ausgesucht hatte.
Israeli-Grünstrickmütze ohne Mütze, Frisur ‘Cobain’, gutaussehend. Yali arbeitet ein halbes Jahr, reist ein halbes Jahr. Hielt mich für ne Französin (so toll ist mein Englisch) und war noch nie in Deutschland (you know, the history…). Da hab ich ihn doch gleich mal nach Mannheim eingeladen, der könnt da so’n Hummus-Platz aufmachen, zuviel Döner hier.

Ich habe Hummus und Homemade Lemonade bestellt und bekam ständig neue kleine Töpfchen mit Dips und Salätchen samt Nachtisch von Yali aufgetischt. Das ganze für nicht mal zehn Dollar. Köstliches Essen!
Yali hat im Allgemeinen alle Leute so toll bedient, den ganzen Laden unterhalten, und noch am Nachbartisch zum hebräischen Happy-Birthday angestimmt.

Aber ich glaube, mit seiner E-Mail hat er ne andere Schnecke gemeint, die ihm ihre Adresse aufn Kassenbon gekritzelt hat…

to drunk to function
hello ms marion this is yali , we met at bua,i wanted to appoligize for my behavior at the bar and to tell you that if you are still in n.y i would gladly make it up to you (if given a chance)
and if not you told me you are going to israel for a couple of weeks during the summer so my offer to show you around stands if we will be in the hollyland in the same dates. goodbye.

Was ist bua, warum apologized er sein behavior, was will er up-to-me machen? Aber das ‘holly land’ tät mich auch mal interessieren. Da kann man sicherlich auch fahrradfahren…