Mit bepflastertem rechten Ringfinger sitze ich zum Sonnenuntergang in der German Bakery, gönne mir seit Mumbai vor zwei Wochen mal wieder einen Cappuccino und schaue mir die Surfkünste anderer aus sicherer Entfernung an.
Sha, mein Surflehrer gestern, prophezeite mir, dass ich bald auch so ein schnittiges kleines Board surfen kann, nachdem er mich im white water auf den ersten Versuch aufstehen und surfen hat sehen. Als ich mir heute, ohne Surflehrer, den Finger beim Zurückhalten des Boards an der Leash bei einer über mich einbrechenden Welle aufschnitt, von dem surfboarddicken blauen fleck am Oberschenkel ganz zu schweigen, und mehr gegen die Wellen kämpfte als dass es mir gelang, sie ein paar Sekunden zu surfen, glaube ich da nicht mehr so schnell daran. Die drei Jungs aus Belgien, meine Nachbarn im frisch renovierten Zimmer über Abhis Café und unter dem auf der Dachterasse untergebrachtem Kovalam Surfclub, sprachen mir Mut zu, alles Übungssache, aber für heute ist erst mal Wundheilungspause. Für das indische Mittagessen, das traditionellerweise mit der rechten Hand gegessen wird, ließ ich mir diesmal einen Löffel geben, da Curry in der Wunde vielleicht nicht so angenehm ist;-) Immerhin habe ich das mit der Embryostellung in der Wellenwaschmaschine nach schmerzhafteren Blessuren meiner bisher vierwöchigen Surferfahrung langsam raus und dabei heute lediglich meine Oropax verloren.
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Handy Aufladestationen und Zitronengras zum Kloputzen
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Indien ist ein sehr reiches Land, erzählt uns Ragu, unser Wanderführer auf den 2300m hohen Marlbrei bei Munnar. Aber sehr korrupt, und das Geld verschwindet auf schweizer Nummernkonten oder wird für Übernachtungen in so preiswerten Unterkünften wie dem Vivanta by Taj Resort in Madikeris Kaffeeplantagen investiert, wo eine Übernachtung so viel kostet wie das monatliche Einkommen eines unausgebildeten Arbeiters (18 000 Rupees – 250 Euro). Eine Teepflückerin verdient 200 Rupees am Tag, bei einer 6-Tage-Woche. Kein ehrlich verdientes Geld lassen hier die Inder, die sich so ein Hotel leisten können, so Chennappa aus Madikeri, der ungefähr genausoviel jährlich Schulgeld für seine Tochter bezahlt.
Druva aus dem Surfer Ashram fügte dessen noch hinzu, dass die Inder einfach nicht wissen, wie sie ihren Reichtum einsetzen, im Gegensatz zu den Chinesen.
Noch mit 80 in der Lederjacke
plapperlaplapp, postkartenmotive, reisen, TEXT, travelUnd am siebten Tage sollst du ruhen. Mit einer Erkältung, die ich mir sicherlich im klimatisierten Zugabteil, Ernakulams Shopping Mall und der Zugluft während der fast sechsstündigen Fahrt im fensterlosen KSRTC Lokalbus in die 1700 Meter hoch gelegenen Teeanbaugebiete um Munnar zugezogen haben muss, fühlt sich das Ausruhen in einem Korbsessel im Rose Garden Homestay am letzten Tag meiner einwöchigen Tour in die Bergregionen Karnatakas und Keralas wundervoll an.

Als mich der gnädige Tuktukfahrer nach halbstündiger Holpertour in meiner ersten, luxuriöser anmutenden Unterkunft absetzt, liegen Kopfkissen zum Auslüften in der Hofeinfahrt des paradiesischen Pflanzenzuchtbetriebs, und Tomy, der Besitzer, ist gerade noch dabei, mit seiner Frau Raji mein Bett zu machen. Das Zimmer hat ein Bad mit richtiger Duschwand, Wasserkocher, ein paar Teebeutel eher geschmacklosen indischen Schwarztees, Instantkaffee und Milchpulvertütchen. Raji bringt mir Bananen aus dem Garten und etwas Gebäck.
Mehr braucht es auch nicht für einen erholsamen Nachmittag im Korbsessel vor dem Haus und eines Spaziergangs durch den Garten der 500 Pflanzen. Als Lektüre bieten sich mir Heiratsanzeigen – Matrimonial Classifieds – nach Religion sortiert (Christian Wanted Bride, Hindu Wanted Groom, Muslim Wanted Bride) und ein schwedisches Frauenmagazin an, das mit aktuellen Weihnachtsdekotipps, Krampfadertherapien, Königin Sylvias 70.Geburtstag und einem Interview mit Marie Fredriksson tituliert, zu ihrem neuen Album ‘Nu’ (Jetzt) und ihrer Lebenseinstellung nach der Gehirntumorerkrankung:
Stress gibt es keinen mehr in meinem Leben, das Leben ist dafür viel zu kurz. Es ist schon tragisch genug, dass man krank werden muss um das zu kapieren.
Ihren rockigen Stil will mein inzwischen 55jähriges Jugendidol beibehalten:
Ich werde auch noch Lederjacke tragen wenn ich Achtzig bin!
Ayurvedamassage und Dusche, indische Art
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Indien wird immer heimeliger, je weiter ich in den Süden der Provinz Kerala komme. Nach sechseinhalb Stunden Zugfahrt von Kannur nach Kochi(Cochin) im kühlen Abteil der Bessergestellten (Seat, 2AC), für welches mir mein Kollege Rahul aus Bangalore online eine Fahrkarte besorgt und spendiert hat (380 Rupees), werde ich im Stadtteil Ernakulam bei John’s Residency sofort fündig für eine Übernachtung. Man tut gut daran, sich den ungefähren Ort der Unterkunft anhand des Stadtplans im Lonely Planet gut einzuprägen, um dem Auto-Rickshaw Fahrer den Weg zeigen zu können;-) Ein Smartphone mit einer offline Map wäre manchmal doch praktisch, denn ein IPad geht einfach nicht in die Hosentasche.
Indian Coffee House, Kannur
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Zwar bin ich außer dem Surfen auch wegen dem scharfen Essen nach Indien gereist, aber morgens ist mir wirklich noch nicht nach fritiertem und Chutneys, vor denen mich, wenn nicht gekocht, Chennappa warnte die Finger von zu lassen. Die erste Immodium hab ich vorsorglich gestern morgen vor der weniger luxuriösen Busfahrt durchs Bergland von Madikeri nach Kannur auf der Zunge zergehen lassen, nachdem mir vermutlich das Papad masala zu meinem Bier im aussichtsreichen Hotelzimmer im Mayura Valley View am Vorabend (bei dem das masala auf dem Papadam aus rohen zwiebeln, Tomaten, Erdnüssen und Koriander bestand) nicht so bekam.
Bei 30 Grad in der einer Million Einwohner umfassenden Hafenstadt Kannur an der Westküste im nördlichen Kerala angekommen ist mir hauptsächlich nach Trinken und schälbarem Obst, und vielleicht einem Milchkaffee oder -tee mit einem Bisquit aus einer Bakery. Meine Hosen kleben inzwischen mehr an mir vom Schweiß als das sie sitzen, aber irgendwie fehlt mir der Appetit.
Madam, Madam, where you from?
plapperlaplapp, postkartenmotive, reisen, TEXT, travelDie Unterkünfte werden immer besser,
stelle ich heute Nachmittag triefnass geschwitzt vom Fußmarsch in Kannur fest, nachdem mich zuvor drei Hotels/Tourist Lodges um den Hauptbahnhof herum abgewiesen haben, von dem ich morgen früh meine Reise in den Süden der Provinz Kerala mit dem Zug fortsetzen werde.
Statt im weniger palastartigen Lonely Planet Budget Tipp Meridian Palace lande ich schließlich im Golden Regency, beschließe kurzum, dass ich nicht duschen werde und erfreue mich meines Seidenschlafsacks. Trotzdem heilfroh darüber, meinen um zwei Kilo Kaffeebohnen und Gewürze aus der Coorg Region schwerer gewordenen Rucksack endlich abstellen zu können und eine Bleibe für die Nacht gefunden zu haben. Was soll man klagen über 400 Rupees (etwa 5 Euro) in der Hochsaison, wo ich in Mumbai für einen leicht höheren Standard, wohl sauberer und mit Meerblick den zehnfachen Preis bezahlt habe…
Kannur hat einen hohen Muslimischen Bevölkerungsanteil, was ein Grund sein kann, weshalb mir – alleinreisend in schlabbrigen jeans und einem Rucksack, höher als ich selbst – misstrauisch begegnet wird. Burkatragende Frauen sind hier keine Seltenheit, aber auch Frauen in blau-weißen Nonnengewändern begegnen mir schließlich am Payyambalam Beach.
Hühnerarsch bei Schlangengift und surfende Mönche
leibesertüchtigung, logbook, plapperlaplapp, reisen, TEXT, travelSo richtig angekommen in Indien bin ich noch nicht angesichts meiner täglichen IPad-Nutzung zur weiteren Reiseplanung und den vielen Ideen, die mir zu Kopf steigen und alle im internet zu recherchieren sind. Auch wenn es hier bei den vier hübschen Surf-Mönchen im Hare Krishna Ashram zu Mulki, dem Stützpunkt des Mantra Surf Club , nichts ungewöhnliches ist, im Internet zu surfen oder sich mit den aktuellsten Smartphones zu befassen. Wie die jungen Pärchen mit gut bezahlten IT Jobs aus Bangalore oder Mumbai, die hierher am Wochenende für einen Surfkurs kommen, als auch die Dorfbewohner Mulkis, deren Behausungen nicht einmal über fließendes Wasser verfügen. Sanjeev Bhaskar schreibt treffend in seinem Reisebericht ‘India’
is there a brandnew breed of super underclass rising in India? Those ‘have nots’ without even a mobile phone?
Während ich hier das beste Zimmer gebucht habe, mit Veranda und Flussblick unter Kokosnusspalmen, Insektenabweisenden Gittern an den Fenstern, schönem Durchzug, Licht, Steckdosen, wobei in einer ein elektrischer vanilleduftzerstäuber steckt, und einem Bad mit zwar spärlich aber fließendem kalten Wasser, schaue ich auf die benachbarten Wellblechhäuschen mit zugehörigem Brunnen, aus dem das Wasser in den krügen kommt,
mit denen sich die Bewohner im Palmenwald duschen, oder mit einem Waschbrett die Wäsche waschen. Die Kinder strahlen mich alle an, sagen ganz cool ‘Hi’ und kichern etwas von ‘English’. Für ein Foto mit meinem teleobjektiv posieren sie freudestrahlend. Gedanken, dass ich hier ausgeraubt werde, mache ich mir keine. Dafür sorgt die Hindu Religion und dessen Philosophie der Wiedergeburt in ein vielleicht besseres Leben.
Mumbai Horns / you give me money
plapperlaplapp, postkartenmotive, reisen, TEXT, travelDem Straßenverkäufer, der mir hinterherläuft und fragt ‘ do you like Mumbai?’ kann ich nur ein Schulterzucken erwidern. nach bekanntschaft mit Bettlern um das hotel ‘Taj Mahal Palace’ habe ich nicht mehr die größte Lust auf die Stadt, einen gelben P
unkt auf der Stirn, zwei Armbändchen mit Blumenblüten und leere Hosentaschen. Den nächsten bettlern, die mich beim Schnappschuss bemerkt haben, konnte ich so nicht einmal mehr 10 rupees in die hand drücken, weil ich ungefähr 700 den jungen frauen gegeben habe, die ich erst los wurde, als uns ein Polizist entgegen kam. Es fing an mit einem Greis, der für den gelben Punkt beleidigt den zehn rupees schein nahm. dann kam ein junges Mädchen, band mir Blumen ums handgelenk, wollte aber kein geld, sondern dass ich ihr Milch, Reis und Öl kaufe. Soweit so gut. Im laden wurde es dann etwas mehr Milch und der Händler tippte auf seinem taschenrechner etwas von 3100 Rupees – 45 €. Ich wollte jetzt nicht das Geschäft leerkaufen, gab dem Mädel die Scheine die ich hatte und wollte gehen. Dem nicht genug. ‘You pay with credit card’ , ‘give me Dollars’, ‘go to cash machine and get me money.’ Wow! Wie der kommentar des teigtaschenverkäufer am Strand auf mein ‘Yes, sure!’ zu seiner Frage ‘Are you married?’ Ein Ring an der hand genügt offenbar nicht zur glaubwürdigkeit, oder och sehe mit meinen Jetlag-Ringen unter den Augen so aus, als täte ihm mein fiktiver Ehegatte schon leid.
Dream Liner und komische Käuze
plapperlaplapp, postkartenmotive, reisen, TEXT, travelGeschafft! Allen besorgten Kommentaren von Kollegen und Freunden entgegen sitze ich jetzt am Gate B48 am Frankfurter Allerweltsflughafen auf dem Weg zum Ashram Surf Retreat nach Südindien.
19:30 Den richtigen Check-in Schalter hätte man auch am Geruch erkennen können. Air India – A787 Your Dreamliner. Mit mir stehen indische Familien mit quengelnden Kinder und einer Masse Gepäck mit gewürzen, ein Ehepaar aus den 68ern, der Frau mit dem flotten kurzhaarschnitt und dem Mann mit den langen grauen haaren nach zu urteilen, und alleinreisende Mädels wie ich in der Warteschlange. Ich muss spontan an einen Kollegen denken, mit dem ich vor jahren in der Firma beim Tischkickerturnier als Team ‘Hot Chai’ angetreten bin. Eine Kaffeefahrt wird dieser Ausflug in den kommenden vier Wochen bestimmt keine werden.
21:15
Im Horoskop (tarot scope)in der Novemberausgabe von SHUB YATRA, dem Air India magazin, stehen die Sterne auf meiner Seite:
This is a time to find yourself and spend time meditating. Work will keep you busy. There will be some frustration with a friend or a colleague. Your finances will improve over the next weeks. saving is your priority.
La crisis de identidad
media, No Hables boludeses, plapperlaplapp, TEXTEine Fremdsprache lernen mit Vokabeln, die einem vielleicht ermöglichen, die Sehenswürdigkeiten des Gastlands zu beschreiben, ist Schnee von gestern. Meine Kollegin hat mir da just ein viel besseres Konzept zukommen lassen: Spanisch für Mollis und Müslis. Da bekommt man mal Lust, im Ausland über deutsches Kulturgut wie El ‘punk’ de Nina Hagen, ‘prima donna’ iluminada oder alternative Gelüste – Placeres alternativos auf spanisch zu beeindrucken.
[ Quelle: Spanisch für Mollis und Müslis – Bernd S. Kamps, Rafael Recio, Patricia Bourcillier ]
Wir fahren eine Schleife in der Flensburger Förde
plapperlaplapp, TEXTDer Film zur Festigung der Argumente in ‘Der Siebte Sinn’ anno 1972.
In den Hauptrollen:
Maroni als ‘Frau am Steuer’
Die Gatsby als ‘Das Schiff’
Hubert als ‘Mein IPad sieht alles’

Luxusproblem Firmenwagenbestellung
company talk, reisen, techie, TEXTAuf Anforderung meines Brötchengebers und anstehendem Bedarf eines Kraftfahrzeugs mit Anhängerkupplung (Traktor?) beschäftigte ich mich die vergangenen Abende mit den Online-Konfiguratoren diverser Autohersteller und Probefahrten in die engere Auswahl kommender PKW. Diesmal wollte ich mich offener gegenüber anderer Automarken zeigen und gab neben dem chinesischen Laden, der mit schwedischem Lebensgefühl um dafür anfällige FahrerInnen wirbt, aus Solidarität zu meiner Frankophilie (oder besser gesagt – Italien stämmigen wallonischen Französischlehrerin) der Marke Renault eine Interessensbekundung. Nicht zuletzt deshalb, weil mir der einst in Arlanda zum Zwecke eines Transfers von 5 Personen mit einem Gepäckumfang für einen zweiwöchigen Segeltörn geliehene Laguna Grand Tour vom Anti-Spießer-Index, Design, Platz, Komfort und günstigerem Preis ganz gut gefiel.
Nun ist mein Hauptkriterium eigentlich die regelmäßige Verstauung eines Fahrrads und sämtlichen anderen Freizeitequipments für die persönliche Bespaßung auf Dienstreisen, nebst möglicher Zuladung für mehrpersonige Freizeitaktivitäten. Gleichzeitig möchte ich mich nach vier Jahren Pampersbomber mit begehbarem Kofferraum (VW Touran) wieder verkleinern,

um die Anhängerkupplung und notwenig stärkere Motorisierung für eine 1.5t Anhängelast für schwimmende Ferienwohnungen bei gleichbleibendem Budget zu bekommen. Das ging ja auch mal – mit dem leider nicht mehr hergestellten Volvo V40 – wenn auch meine Französischlehrende mir mit meinen Ansprüchen und beim Anblick meiner werktäglichen Kofferraumzuladung (Longboard, Bademantel, Handtuch, Ersatzklamotten, Badeschlappen, Laufschuhe, Segelsack, Notebooktasche) zu einem Camion rät. 
Wohlgemerkt ist der Touran damit noch lange nicht vollbeladen. Mein erster Firmenvolvo anno 2005-2010 allerdings schon:
Erste Probefahrt: die sogenannten schwedischen Ferienhäuser mit dem Panzermotor:
Die höhergelegte Cross Country Variante – ein Geschoss! Jedenfalls der 177 PS Testwagen mit Automatikgetriebe. Ich kam mir vor wie auf der Kart Bahn! Es war jedoch unter keinen Umständen möglich, ohne Demontage des scheibengebremsten Vorderrads mein Mountainbike unterzubringen. Zudem winkte mein (noch Volvo fahrender) Kollege ab – ‘Das ist ein Auto für Mädchen, also nichts für dich’.


Von meinen frankophilen Solidaritätsbestrebungen hielt ebensolcher, von mir für seine Meinung in vielen Dingen sehr geschätzter Kollege ebensowenig: rosten schneller, schlechtere Motoren, nichts für den Anspruch an einen Wagen der Kategorie Langstreckenkomfortabilität. Wissen wollte ich es trotzdem! Der Verkäufer war sehr lustig, zuvorkommend und präsentierte mir nach Feierabend die automatische Sitzumklappfunktion vom Kofferraum eines Renault Laguna Grand Tour. Der Clou: die eher meinem Goût entsprechende untere Wagenklasse Mégane Grand Tour schlägt mit seinen 1600 L Kofferraumvolumen sowohl den Laguna, 3er BMW Touring (1500 L) und Volvo V60 (1241 L, vgl. V50: 1307 L) – Autobild tituliert also zurecht mit ‘Ein Volvo mit Ladehemmung’.
Die Fahrt im Mégane Kombi enttäuschte mich dennoch. Das Fahrgeräusch zu hochfrequent für meine empfindlichen Ohren, weder die französischen, schwedischen noch deutschen Stimmen des Navigationssystems gefielen. Die einzig in Frage kommende Außenfarbe (Flamenco Rot), zum Zwecke der Aufmischung des fast ausschließlich mit unfarbigen SUWs und Audis zugeparkten Servicemitarbeiterparkhauses meines großzügigen Arbeitgebers) gefiel mir nicht so richtig. Die Joystick-Bedienung der leistungsarmen Audioanlage irritierte mehr als dass es innovativ wirkte. Zum Leisestellen des Radios suchte ich vergeblich nach einem Drehknopf, hatte Rückenschmerzen und sehnte mich in die Sportsitze meines aktuellen Firmamobils zurück. Der 130 PS Dieselmotor zog nicht vergleichbar an wie der vergleichbare V60. Zwar hatte der Verkäufer auf meine Antwort ‘Fährt’ zu seiner Frage, wie die Probefahrt denn so war, ein passendes Argument: die GT Line des Méganes mit Sportsitzen und Medienbedienregler am Lenkrad. Und klangmäßig die Sonderausstattung ‘Bose Edition’. Das Argument trifft allerdings meinen äußerst empfindlichen Anti-Spießer Nerv.
Und wie es eben so ist – das Bauchgefühl und der erste Eindruck zählt. Zudem entdeckte ich alte Tagebucheinträge zu meinen Wünschen – und das war eben die Sehnsucht zurück zu meinem vorigen schwedischen Firmenwagen und einem ‘Auto für Leute, die ihr Selbstbewusstsein in der Garage stehen haben müssen’. So einfach ist das. Und für alle, die genau wie ich wenig überzeugt von chinesischen Autos sind – der V60 wird in Göteborg – Torslanda hergestellt 🙂
Mixtape 1991
plapperlaplapp, TEXTMeine neuen Nachbarn sind heute eingezogen (Frau Magenplass ist letztendlich doch ihrer Verstopfung erlegen): ein junges Pärchen (im Verhältnis zu mir), das einen Schallplattenspieler die Treppen hochträgt. Damit kommen sie bei mir schon mal gut an. Vielleicht könnte ich mich mit einer Einladung zum Saufen einschleimen, damit sie mir den mal zur Digitalisierung meines Heiligtums ausleihen: dem Remix Album ‘Dance Passion’ der ersten Schallplatte von Roxette aus dem Jahre 1986. Vielleicht lachen sie mich auch nicht aus.
Themawechsel. ich besitze noch eine Unzahl an Mixtapes, Slang für in mühsamer Kleinstarbeit mit einem Kassettenrecorder aufgenommene Musikzusammenstellungen. Aus einer Zeit, als wir auch in der Lage gewesen wären, uns das Agathe-Bauer-Lied im Radio zu wünschen. Als Teenager und Möchtegern-DJane vor der Revolution des Internets und MP3 nahm sich unsereins auch gerne mal die Zeit, Freunden auf dem qualitätsverlustbehafteten Medium Musikkassette (MC) seine aktuelle ‘Playlist’, also seinen Musikgeschmack aufzudrängen. Um ein Mixtape zu erstellen, muss man nämlich für die gesamte Dauer der Aufnahme den Song aushalten, und gegebenenfalls neu aufnehmen, weil das Stück übersteuert wurde, oder äußere Einflüsse die Aufnahme störten, wie in ganz alten Zeiten, als man noch den Kassettenrekorder mit dem eingebauten Mikrofon ganz dich an den Plattenspieler stellen musste für die einwandfreie Aufnahme, und einen dann der Ruf von Mama ‘Essen ist fertig!’ zum Ärgernis wurde.
Eine gute alte Schulfreundin hat mir bei einem Besuch letztens überraschenderweise ein Mixtape aufgelegt, welches ich ihr 1991 erstellt habe und sie immer -zuleide Ihres Mannes- im Auto höre.Serkan und der Erdogan
company talk, plapperlaplapp, TEXTSein eifriges Kopfnicken, einhergehend mit einem breiten Grinsen war mir schon bei der ersten Begegnung sympathisch.
Ich kehrte gerade braungebrannt, vom Salzwasser blondiert, zurück aus einem Surfurlaub auf den Kanaren und hielt diesen jungen Burschen, der mir entweder in den unterirdischen Gängen des vierstöckigen Bürogebäudes in dem sich mein Arbeitsplatz befindet, oder beim Leeren unserer Papierkörbe in den Büros begegnet, für einen lanzarotischen Surflehrer. Wenn ich auch gerade von einer blonden Französin des Wellenreitens gelehrt wurde, so war dieser schlaksige, große Mann mit den schwarzen, mittellangen Lockenhaaren, denen schon die eine oder andere graue Strähne entspringt, wildem Bartwuchs und dem braungebrannten Gesicht, das sich bei jedem Freudestrahlen in viele Lachfalten zog, das Bild eines Menschen, der sein halbes Leben im Salzwasser zugebracht hat und seine positive Ausstrahlung daraus zog. ich verspüre seitHer Lust, diesen Menschen zu fotografieren.
meinen schwulen Freunden nicht von ihm zu erzählen wäre ein großes Versäumnis.
Aber jetzt hat er auch noch eine Frau, erfahre ich heute, als ihn seine türkische Kollegin in Bezug auf unser Gesprächsthema Occupy Gezi park, türkischer frühling, auch noch als Erdogan-Anhänger verpetzt. ‘Der will doch Arabien!’ Scherzt sie, ‘und – trägt deine Frau Kopftuch?’ Serkan schaut beschämt, aber selbst wenn sein deutsch besser ist als mein türkisch, bin ich mir nicht sicher, ob er seine der deutschen Sprache versiertere Kollegin überhaupt verstanden hat. Jedenfalls zeigt sich Serkan immer hocherfreut wenn ich mit meinem Speisekartentürkisch daherrede – Merhaba, Nasılnsız? üç Mal ın İstanbul gewesen. Worauf Serkan dann imer was auf türkisch erwidert und fragt Wann gehst du Urlaub? Wır gehn beıde susamme!
Mein Istanbuler Freund Mustafa hat mir vor Jahren einmal seine Bedenken zum aktuellen Regierungschef seines Landes geäußert, aus einem modernen Staat, der strikt die Trennung von Religion und Staat bis dato vollzog, soll ein muslimischer Staat werden. Was denn als nächstes folge, nach dem Rauchverbot in den Kneipen, um sich bei der EU einzuschleimen. Etwa ein Alkoholverbot?!
Etwas Positives habe der Erdogan aber trotzdem bewegt in der Türkischen Republik. Die Reformierung des Krankenversicherung.
So Serkans Kollegin, während Serkan unintressiert mein Longboard im Flur ausprobiert. Und dann haben wieder beide ihre Hände im Putzwasser. Nicht Salzwasser.




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